Warenhauskette : Karstadt-Gläubiger stimmen Insolvenzplan zu

Endspurt im Rennen um das Schicksal der insolventen Warenhauskette Karstadt. Nachdem die Karstadt-Gläubiger mit der Annahme des Insolvenzplans grünes Licht für einen Verkauf der Warenhauskette gegeben haben, sollen mögliche Investoren bereits bis Freitag kommender Woche ihr Angebot vorlegen.

EssenEssen - Der mögliche Verkauf der insolventen Warenhauskette Karstadt ist einen entscheidenden Schritt vorangekommen. 154 stimmberechtigte Gläubiger machten am Montag in der Essener Karstadt-Hauptverwaltung den Weg für eine Veräußerung der Handelskette des seit zehn Monaten insolventen Arcandor-Konzerns frei und stimmten dem Vorschlag von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg zu. Nun muss nur noch das Essener Amtsgericht formal grünes Licht geben. Mögliche Interessenten sollen ihre Angebote bis zum 23. April vorlegen.

Ob es aber überhaupt ernsthafte Bieter gibt, ist unklar. „Wir besitzen noch keine Sicherheit, dass sich ein Käufer findet", sagte Insolvenzverwalter Görg. Namen von Interessenten nannte er nicht. Ursprünglich sollte die ehemalige Arcandor-Tochter bis zum 30. April einen neuen Besitzer finden. Diese im Insolvenzplan vorgesehene Frist für eine Unterzeichnung des Kaufvertrags soll nun aufgehoben werden. Der Verkauf des Konzerns kann sich damit länger hinziehen.

Wie lange Karstadt mit seinen 25 000 Mitarbeitern ohne einen Investor durchhalten kann, wollte Görg nicht sagen. Ihn dürfte aber das Schicksal des einstigen Wettbewerbers Hertie schrecken. Dort hatte Insolvenzverwalter Biner Bähr den erfolglosen Verkaufsprozess derart in die Länge gezogen, dass bei der Zerschlagung am Ende für die Gläubiger kaum noch etwas übrig blieb. In Berlin hat Karstadt noch acht Häuser, hinzu kommen zwei Sportfachgeschäfte und das KaDeWe, das ebenfalls zur Gruppe gehört.

Die Insolvenzforderungen der Gläubiger belaufen sich insgesamt auf 2,8 Milliarden Euro. Vor allem das Finanzamt hatte seine Forderungen im Gesamtumfang gegen jedes einzelne Karstadt-Tochterunternehmen gestellt, was als Summe die Forderungen zunächst in astronomische Höhe trieb. Hier gebe es aber inzwischen eine Einigung mit der Finanzverwaltung, sagte Görg. Noch keinen Verzicht haben bis jetzt allerdings die Kommunen auf ihre Gewerbesteuerforderungen unterschrieben. Sie türmen sich auf 50 bis 100 Millionen Euro. Der Insolvenzplan sieht vor, dass zunächst drei Prozent der Insolvenzforderungen befriedigt werden. 62,4 Millionen Euro stünden dafür zur Verfügung, sagte Görg. Weitere 15 Millionen Euro, die er den Gläubigern für später in Aussicht stellt, erwartet Görg durch den Verkauf von Geschäftsteilen, die nicht unmittelbar mit Karstadt zusammenhängen. Allein die Kunstwerke in der Hauptverwaltung seien mehrere Hunderttausend Euro wert.

Insgesamt sei es gelungen, das Geschäft von Karstadt zu stabilisieren, sagte Görg. Nach dem Weihnachtsgeschäft habe es zum Jahreswechsel eine Liquidität von 220 Millionen Euro im Unternehmen gegeben. Im ersten Quartal habe lediglich der Februar dem Unternehmen einen Verlust beschert, sagte Görg und widersprach damit Berichten, nach denen für Karstadt finanziell die Zeit abläuft. Brancheninsider gehen dennoch davon aus, dass in dem Geschäft erhebliche Risiken stecken. Vor allem der Gehaltsverzicht der Mitarbeiter sei nur auf drei Jahre limitiert. Danach drohe dem Warenhauskonzern wieder eine deutliche Kostensteigerung. HB

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