Wirtschaft : Warnstreiks in Berliner Warenhäusern

Verdi kündigt Aktionen für kommende Woche an

Maren Peters

Berlin - Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi will die Warnstreiks schon in der kommenden Woche auf Berliner Warenhäuser ausdehnen – und damit das Weihnachtsgeschäft treffen. „Nächste Woche wird auch in Berliner Kaufhäusern gestreikt“, sagte Verdi-Tarifexperte Peter Weith dem Tagesspiegel. Er erwartet zumindest Umsatzverlagerungen im Weihnachtsgeschäft und sprach am Donnerstag von einer „entscheidend neuen Qualität“ im laufenden Tarifkonflikt. Die Gewerkschaft will mit den Aktionen den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen, ein höheres Angebot vorzulegen.

In Berlin hatte sich die Gewerkschaft bisher darauf beschränkt, Lebensmittelfilialisten zu bestreiken. In der Öffentlichkeit waren die Aktionen allerdings kaum wahrgenommen worden, da die Unternehmen es geschafft hatten, die Geschäfte trotzdem offen zu halten. Verdi fordert für die mehr als 90 000 Einzelhandelsbeschäftigten in der Region unter anderem 6,5 Prozent mehr Lohn und die Beibehaltung der Spät- und Nachtzuschläge, die ab 18.30 Uhr gezahlt werden und für die Arbeitnehmer einen Aufschlag von 20 bis 50 Prozent bedeuten. Die Arbeitgeber bestehen darauf, diese Zuschläge komplett zu streichen. Bereits zum Jahresende 2006 hatten sie den Manteltarifvertrag gekündigt.

Kurz vor der Ausweitung der Warnstreiks gaben sich die Berliner Einzelhändler gestern betont gelassen. Detlev Steffens, Geschäftsführer des Kaufhofs am Alexanderplatz, erwartet nur geringe Auswirkungen. Auch Nils Busch-Petersen, Geschäftsführer des regionalen Einzelhandelsverbandes, geht davon aus, „dass es keine nennenswerten Beeinträchtigungen im Weihnachtsgeschäft geben wird“. Nach seinen Informationen sollen Berliner Warenhäuser ab dem kommenden Dienstag bestreikt werden.

Der Tarifkonflikt dürfte an diesem Tag auch Thema im Berliner „Maritim“ sein, wo sich die wichtigsten Branchenvertreter zu einem Kongress treffen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich angekündigt. Die Berliner Verdi-Streikleiterin Sabine Zimmer wollte gestern nur bestätigen, dass Aktionen zu Beginn der kommenden Woche geplant sind.

Die Tarifverhandlungen werden regional geführt. Am weitesten ist derzeit Nordrhein-Westfalen. Sollte es hier zu einer Einigung kommen, werden sich alle anderen daran orientieren. In dem größten Bundesland hatte Verdi gestern zu Warnstreiks in 80 „Real“-Filialen aufgerufen, an denen nach Verdi-Angaben bis zu 4000 Beschäftigte teilnahmen. Die Arbeitgeber hatten in NRW Ende August 1,7 Prozent mehr Lohn angeboten, beharren aber auf der Streichung der Zuschläge. Die Arbeitnehmerseite lehnt das ab und will nicht weiterverhandeln, bevor es ein neues Angebot gibt. Auch in Berlin gibt es noch keinen neuen Gesprächstermin. Wie lange der Tarifkonflikt noch dauern könnte, vermag im Moment niemand zu prognostizieren. Das sei noch nicht absehbar, sagte Verbandschef Busch-Petersen. Auch bei Verdi hieß es, eine Vorhersage sei zurzeit „extrem schwierig“.Maren Peters

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