Warum die Streiks der GDL am meisten schaden : Das falsche Spiel der Lokführer

Die Gewerkschaft GDL fordert etwas, das die Bahn nicht leisten kann - und das deutsche Tarifsystem erst recht nicht.

Carsten Brönstrup
Nichts geht mehr. Der Streik der Lokführer am Dienstag und Mittwoch dürfte nicht der letzte gewesen sein.
Nichts geht mehr. Der Streik der Lokführer am Dienstag und Mittwoch dürfte nicht der letzte gewesen sein.Foto: dpa

Streiks bei der Eisenbahn sind gar nicht so unbeliebt, wie viele glauben. In einer repräsentativen Umfrage der ARD haben kürzlich immerhin 54 Prozent der Bürger Verständnis für den Arbeitskampf der Lokführer gezeigt. Was sollen die armen Leute auch machen, wenn sie mehr Geld wollen – so dürften die meisten denken. Womit sie ja recht haben: Warum soll jemand nicht mit einem Arbeitskampf für seine Forderungen streiten dürfen, nur weil er zufällig Lokführer ist und mit seinen Aktionen zwangsläufig hunderte oder tausende Unbeteiligte in Mitleidenschaft zieht?

So einfach ist die Sache allerdings nicht. Den Lokführern, die derzeit mit der Bahn über Kreuz liegen, geht es nur vordergründig um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen. Tatsächlich strebt die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer vor allem nach mehr Macht: Sie will die Zahl der Beschäftigten erhöhen, für die sie Tarifverträge aushandelt, und eine andere Gewerkschaft an den Rand drängen. Allein: Das verstehen die meisten Menschen nicht, und wahrscheinlich wollen es viele auch gar nicht so genau wissen. Für die Deutsche Bahn, und nicht nur für sie, ist das aber ein entscheidender Punkt. Sie sieht den Betriebsfrieden in Gefahr, wenn zwei Gewerkschaften in einem Betrieb ständig um Mitglieder konkurrieren und sich in ihren Forderungen überbieten. Ein solches Szenario ist nicht aus der Luft gegriffen. Und einen Arbeitskampf alle paar Monate kann die Bahn ebenso wenig gebrauchen wie die Fahrgäste.

Das Streikziel der GDL passt nicht in das deutsche Tarifsystem bisheriger Prägung. Weil es nicht um einen finanziellen Ausgleich zwischen Arbeit und Kapital geht, sondern allein um Macht und Eitelkeit. Deshalb schießt sich die GDL mit ihrer Taktik ins eigene Bein – und provoziert ein Gesetz, das die Tarifeinheit regelt. Das würde in das allgemeine Streikrecht eingreifen und die Macht der Gewerkschaften insgesamt nicht stärken, sondern schwächen. Bahn und Lokführer müssen einen anderen Weg finden, um ihre Interessen auszugleichen - sonst verlieren am Ende alle.

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