Wirtschaft : Warum es besser werden kann

Die Wirtschaftsforscher pflegen eine mitunter verschwurbelte Sprache. Von „Aufwärtsrisiken“ sprechen sie, wenn sie finden, dass sich die Konjunktur womöglich besser entwickeln wird, sie aber dem Braten nicht trauen. Für deutliche Entspannung würde etwa eine Perspektive in der Euro-Schuldenkrise sorgen. Sollte es den Staatschefs in der Währungsunion gelingen, sich vom Image des ewig zerstrittenen und zerrissenen Kontinents zu lösen, könnte die Zuversicht an die Finanzmärkte zurückkehren. Doch kalkulieren lässt sich damit kaum, zu mimosenhaft und wetterwendisch gebärden sich die Investoren inmitten der Euro-Turbulenzen.

Konkreter ist da schon die Krisenrenitenz der deutschen Unternehmen. Ihre Stimmung hat sich ausweislich der Umfragen zum Ifo-Geschäftsklima kürzlich bereits zum zweiten Mal in Folge aufgehellt. Einmal mehr kam es anders, als die professionellen Prognostiker es vorhergesagt hatten. „Die deutsche Wirtschaft scheint dem Abschwung Westeuropas erfolgreich zu trotzen“, sagt Ifo-Präsident Hans- Werner Sinn.

Jedenfalls ist die Lage weitaus besser als vor der Lehman-Pleite 2008, als sich die Konjunktur ohnehin auf einen Abwärtstrend begeben hatte. Das gilt vor allem für den Konsum – dank des robusten Arbeitsmarktes kommen die Wachstumsimpulse derzeit aus dem Inland, das hat auch zuletzt das rege Weihnachtsgeschäft gezeigt. Und selbst in schlechten Zeiten überlegen es sich die Unternehmen heutzutage dreimal, ob sie ihre guten Leute auf die Straße setzen, sagt Joachim Möller, Chef des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Aber auch das Ausland ist für Überraschungen gut. Der amerikanische Häusermarkt, dessen Preisverfall die globale Krise 2007 erst auslöste, entwickelt sich überraschend gut. Der Automarkt ist ebenfalls auf dem Weg zurück zu alter Stärke, und die Firmen investieren ungebrochen. Eine Rezession in den USA ist kein Thema mehr. Sollte die weltgrößte Volkswirtschaft nach einer langen Phase der Stagnation wieder ein solides Wachstum hinlegen, könnte sie andere Regionen mitziehen. Ähnliches ist für China denkbar, die zweitgrößte Ökonomie, die zuletzt für ein Viertel des weltweiten Wachstums stand. Zwar rechnet die Weltbank damit, dass der Wohlstand dort erstmals seit 2001 um weniger als neun Prozent zunimmt. Doch dank der sinkenden Inflation hat die Notenbank wieder Spielraum, mittels einer laxeren Geldpolitik die Wirtschaft anzukurbeln. Peking hat angesichts seiner immensen Devisenreserven und der geringen Verschuldung ohnehin alle Möglichkeiten. brö

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