Wirtschaft : Was ist eine feindliche Übernahme? - In den USA gang und gäbe: "Weißer Ritter" und "Giftpillen"

Karin Birk

Bisher ging es in Deutschland bei Übernahmen meist friedlich zu. Doch jetzt scheinen die aus dem angloamerikanischen Raum schon länger bekannten feindlichen Übernahmen auch in Deutschland Wirklichkeit zu werden: Unternehmen kaufen andere Unternehmen, ohne dass deren Management den Kauf gutheißt. Dabei erwerben sie die Aktien an der Börse und machen den Aktionären ein Angebot, um möglichst schnell die Mehrheit am Unternehmen zu erhalten. Damit die Offerte attraktiv ist, wird normalerweise eine hohe Prämie auf den aktuellen Aktienkurs bezahlt.

In den USA und Großbritannien sind feindliche Übernahmen - oder "hostile takeovers" - seit Mitte der achtziger Jahre in Mode gekommen: Ziel der Transaktionen war es vor allem, Firmen zu kaufen, um sie dann in Einzelteile zu zerlegen und diese mit viel Gewinn zu veräußern. Das Management der betroffenen Unternehmen und deren Arbeitnehmer haben solche Aktionen als feindlich interpretiert: Zehntausende verloren dabei ihre Stellen.

In den 90er Jahren setzten sich in den angelsächsischen Ländern vermehrt feindliche Übernahmen durch, deren Ziel mehr der industriellen Logik entsprach: Man sucht sich, was passt, um Synergien zu schaffen. Diese Übernahmen stießen auf mehr Akzeptanz, nicht nur in angelsächsischen Ländern, sondern auch in Kontinentaleuropa, wie etwa das Beispiel der Übernahme von Telekom Italia durch Olivetti zeigte.

In Deutschland kam es bisher nicht zu großen feindlichen Übernahmen. Zum einen gibt es hier außer einem freiwilligen Übernahmekodex noch keine gesetzlichen Übernahmeregeln. Erst Mitte 2000 soll es soweit sein. Zum anderen erschweren aktienrechtliche Vorschriften, viele gegenseitige Beteiligungen, wenig Unterstützung durch Banken sowie das Bündnis zwischen Managern und Arbeitnehmern in der deutschen Wirtschaft feindliche Übernahmen.

Freilich gab es immer wieder spektakuläre Übernahmeversuche, die aber entweder im Sande verliefen, oder aber später umdefiniert wurden. Gescheitert sind Pirelli/Continental, Hochtief/Holzmann und T & N/Kolbenschmidt, während Krupp/Hoesch ein interessantes Beispiel für eine Umwidmung darstellt: Der Versuch von Krupp, im Frühjahr 1997 Thyssen still und heimlich zu schlucken, wurde von interessierten Kreisen in der Öffentlichkeit lanciert. Nach Verhandlungen verständigte man sich darauf, von einer "Fusion unter Gleichen" zu sprechen.

Als Abwehrstrategie gegen eine feindliche Übernahme gibt es verschiedene Möglichkeiten: Das geht etwa über die Einführung von Stimmrechtsbeschränkungen, den Aktientausch mit einem befreundeten Unternehmen oder die Verwässerung des Eigenkapitals durch die Ausgabe von Aktien an die Belegschaft des Konzerns. Auch der Einsatz der so genannten "Goldenen Aktie" zählt dazu. In diesem Fall besitzt ein Aktionär - meist der Staat - das Recht, ein Veto gegen strategische Entscheidungen einzulegen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar