Wirtschaft : Wauthier hinterlässt zwei Briefe

Finanzvorstand des Zurich-Konzerns erwähnt Ackermann.

Bei der Untersuchung des Suizids wird Josef Ackermann eine Rolle spielen. Foto: rtr
Bei der Untersuchung des Suizids wird Josef Ackermann eine Rolle spielen. Foto: rtrFoto: REUTERS

Zürich/Berlin - Eine knappe Woche nach dem Suizid seines Finanzvorstands Pierre Wauthier hat der Chef des Schweizer Versicherungskonzerns Zurich ausdrücklich dessen Leistungen gewürdigt. Zurich-Boss Martin Senn erklärte, Wauthier habe hervorragende Arbeit geleistet. „Er war eine hoch geschätzte Persönlichkeit“, sagte Senn der „Neuen Zürcher Zeitung“. Probleme habe er auch bei einer gemeinsamen Dienstreise kurz vor Wauthiers Suizid nicht erkannt. Der Tod des Finanzchefs und der Rücktritt des Verwaltungsratschefs Josef Ackermann hätten den guten Ruf des Unternehmens aber belastet. „Ich arbeite jetzt daran, dass wir diesen Reputationsverlust, diese Wolke, die sich über das Unternehmen gelegt hat, wieder wegblasen können“, sagte Senn. Er hatte am Freitag angekündigt, das Unternehmen untersuche die Selbsttötung seines Finanzchefs.

Über die Umstände des Rücktritts von Ackermann sind am Wochenende neue Details bekannt geworden. Wie mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen dem „Handelsblatt“ bestätigten, hat Wauthier zwei Abschiedsbriefe hinterlassen. „Einer war an die Familie gerichtet, ein zweiter an die Zurich-Gruppe“, so ein Insider. Im Brief an den Konzern sei Ackermann als einziger Manager namentlich genannt. Ein Sprecher der Zurich wollte auf Anfrage keine Angaben machen, dementierte die Informationen aber auch nicht. Wauthier war vergangenen Montag tot in seinem Haus in Walchwil im Kanton Zug gefunden worden. Die Polizei geht von Selbstmord aus. Ackermann war daraufhin von seinem Amt als Chefaufseher zurückgetreten.

Wauthier beklagt in dem Schreiben die Gesprächskultur an der Spitze der größten Schweizer Versicherung. Er habe die Situation insgesamt als furchtbar empfunden, sagen Personen, die Kenntnis vom Inhalt der Briefe haben.

Der Finanzchef hat seinen Abschiedsbrief an Zurich mit dem Computer in englischer Sprace verfasst. Er ist an niemand Bestimmten adressiert, in der Anrede steht lediglich „to whom it may concern“ („an alle, die es angeht“). In dem Schreiben bezieht sich Wauthier auf zwei Aufeinandertreffen mit Ackermann, ohne aber die Details zu beschreiben. Um den Vorwurf geschönter Zahlen sei es nicht gegangen; vielmehr habe Wauthier bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen im Verwaltungsrat die Einschätzung geäußert, dass die Anleger die Zahlen recht gut aufnehmen würden. Dem habe Ackermann widersprochen, was eine Diskussion zur Folge hatte, berichten hochrangige Zurich-Kreise.

Auf einer Telefonkonferenz am Freitag hatte Ackermanns Nachfolger an der Spitze des Verwaltungsrates, Tom de Swaan, bestätigt, dass es in dem Abschiedsbrief ausschließlich um das Verhältnis zwischen Ackermann und Wauthier gehe. Details nannte er nicht. Auch der neue Verwaltungsratspräsident kündigte an, dass der Rat die Vorgänge untersuchen wolle. Bei dieser Untersuchung werde Ackermann seinem alten Arbeitgeber erneut Rede und Antwort stehen müssen, hieß es in Konzernkreisen. HB/dpa

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