Wegen Sanktionen gegen Russland : Opel will 500 Mitarbeiter loswerden

Russland ist für Opel seit Jahren ein Hoffnungsmarkt. Die Ukraine-Krise macht der angeschlagenen GM-Tochter nun einen Strich durch die Rechnung. Die Lage spitzt sich zu.

Harald Schmidt
Unter anderem lässt GM seine Russland-Modelle beim russischen Hersteller Gaz fertigen. Hier schaute 2009 Wladimir Putin vorbei.
Unter anderem lässt GM seine Russland-Modelle beim russischen Hersteller Gaz fertigen. Hier schaute 2009 Wladimir Putin vorbei.Foto: dpa

Opel tritt angesichts der Absatzkrise in Russland kürzer: Der Autohersteller fährt seine Produktion in dem Land zurück, 500 Mitarbeiter sollen gehen. Zudem wird das Werk in St. Petersburg künftig nur noch im Einschichtbetrieb gefahren, wie die Tochter des US-Konzerns General Motors am Dienstag am Stammsitz in Rüsselsheim mitteilte.

Gleichzeitig tauscht GM Europa sein Spitzenpersonal vor Ort aus: Die Leitung des Russlandgeschäfts übernimmt mit sofortiger Wirkung die bisherige Chefin für Einkauf und Logistik der Opel Gruppe, Susanna Webber. Ihr Vorgänger Andy Dunstan, der das Russland-Geschäft erst seit November 2013 verantwortete, muss ins zweite Glied rücken: Er wird Vize-Präsident in Russland.

Der Automarkt bricht ein, der Marktanteil sinkt

Die Russland-Aktivitäten von GM werden erst seit Jahresbeginn von Europa aus gesteuert. Zuvor war General Motors International Operations (GMIO) dafür verantwortlich. Noch 2013 war Russland nach Deutschland und Großbritannien der drittgrößte Markt für den Hersteller, wie Opel-Chef Karl-Thomas Neumann betonte. Nach Firmenangaben verkaufte GM 2013 rund 275.000 Autos in dem Land. Doch aktuell stecke dieser Markt in ernsten Turbulenzen, begründete Neumann die Maßnahmen: „Wir glauben an das langfristige Potenzial Russlands, aber Volumen und Preise sind momentan unter starkem Druck und der Rubel verliert weiter an Wert.“ Im Zuge der Ukraine-Krise verschärfen EU und USA ihre Wirtschaftssanktionen gegen das Land zunehmend.

In den ersten acht Monaten des Jahres sank der Automobil-Gesamtmarkt in Russland nach den Angaben um 12,1 Prozent. Die Opel-Gruppe traf es noch härter: Der GM-Marktanteil mit den Marken Opel, Chevrolet und Cadillac sei in dem Zeitraum von rund neun Prozent auf 7,8 Prozent gefallen. „Da dies alles Einfluss auf unsere Geschäftsergebnisse hat und im weiteren Jahresverlauf auch weiter haben wird, ergreifen wir jetzt Maßnahmen, um das Risiko zu minimieren und auf Kurs zu bleiben“, sagte Neumann.

Tatsächlich dürfte sich der russische Automarkt nach Überzeugung von Experte Ferdinand Dudenhöffer in den kommenden Monaten noch schlechter entwickeln als zu Jahresbeginn: „In Russland muss man mit gut 20 Prozent Markteinbruch in der zweiten Hälfte des Jahres rechnen.“ Derzeit gebe es keine Anzeichen, dass sich Russland wieder schnell erholen könnte. Das treffe Hersteller, die wie Opel überwiegend in Europa aktiv sind, besonders hart.

Fast alle Autos für Russland baut Opel dort

Aktuell hat die Opel Gruppe in Russland etwa 4000 Mitarbeiter, davon knapp 2000 in St. Petersburg. Dort werden der Opel Astra und der Chevrolet Cruze gebaut. Da der Absatz bröckelt, soll die Belegschaft in dem Werk verkleinert werden: Opel will rund 500 Mitarbeitern freiwillige Abfindungsangebote unterbreiten.

Andere GM-Fahrzeuge kommen aus den Werken der Partner Avtotor und GAZ in Kaliningrad und Nischni Nowgorod. Der Chevrolet Niva wird im GM-Avtovaz Joint-Venture in Togliatti produziert. Insgesamt fertigt die Opel-Gruppe nach Unternehmensangaben rund 90 Prozent der Autos, die in Russland verkauft werden, vor Ort. (dpa)

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