Weibliche Vorstände in Unternehmen : Allein auf weiter Flur

Der Anteil weiblicher Vorstände stagniert – in einer Unternehmensgruppe geht er sogar leicht zurück. Forscher warnen vor „männlichen Monokulturen“.

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Weiterhin eine Seltenheit. Die Befürworter der Frauenquote würden Vorstände gerne gleichberechtigt zusammensetzen. Doch es geht nur langsam voran. Foto: dpa
Weiterhin eine Seltenheit. Die Befürworter der Frauenquote würden Vorstände gerne gleichberechtigt zusammensetzen. Doch es geht...Foto: picture alliance / dpa

Neue Zahlen belegen: Die Chefetagen deutscher Unternehmen bleiben fest unter männlicher Kontrolle. Wie das am Mittwoch veröffentlichte Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zeigt, stagniert die Zahl der Frauen in Vorständen – in der Gruppe der 100 umsatzstärksten deutschen Unternehmen ist ihr Anteil von knapp fünf auf gut vier Prozent sogar leicht zurückgegangen. „In den Vorständen hat sich bislang praktisch nichts getan. Sie bleiben männliche Monokulturen. Das ist keine positive Bilanz“, kritisiert Elke Holst, Forschungsdirektorin für Gender Studies am DIW Berlin. Vor dem Hintergrund der seit vielen Jahren anhaltenden Diskussionen bleibe die Entwicklung weit hinter den Erwartungen zurück.

Bei den Aufsichtsräten beobachten die Forscher seit Beginn der Diskussion um die Frauenquote im Jahr 2010 eine Aufwärtsentwicklung. So ist der Frauenanteil in den Top-100-Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr um rund drei Punkte auf 18 Prozent gestiegen. Banken und Sparkassen sind dagegen zurückgefallen. Obwohl die Mehrheit der in diesem Sektor beschäftigten Arbeitnehmer Frauen sind, veränderte sich ihr Anteil in den Aufsichtsräten in der vergangenen Zeit nur noch „im Nachkommabereich“, wie Holst kritisiert. Vor knapp zehn Jahren war die Frauenquote in Aufsichtsräten der Banken und Sparkassen noch doppelt so hoch im Schnitt der 100 größten Unternehmen insgesamt.

"Gesetzgeberischer Druck ist wichtig"

Zudem sehen viele den positiven Trend im Bereich der Aufsichtsräte als eine Entwicklung auf niedrigem Niveau. „Es zeigt sich, dass die Zeit das nicht allein bewegt, sondern dass es wichtig ist, gesetzgeberischen Druck zu machen“, sagt Jutta von Falkenhausen, die Vizepräsidentin des Vereins „Frauen in die Aufsichtsräte“ (Fidar). Am 11. Dezember hatte das Bundeskabinett das entsprechende Gesetz zur Frauenquote beschlossen. Der Entwurf sieht vor, dass ab 2016 eine Geschlechterquote von mindestens 30 Prozent für Aufsichtsräte von Unternehmen, die börsennotiert und voll mitbestimmungspflichtig sind, eingeführt wird. Das sind in Deutschland etwa 100 Firmen. Zudem soll es für 3500 weitere Unternehmen Pflicht werden, sich selbst eine Zielquote für Aufsichtsrat, Vorstand und die oberste Managementebene zu setzen.

Gut für die Einführung der Frauenquote vorbereitet scheinen die Dax-30-Unternehmen – dort liegt der Anteil der Frauen in Aufsichtsräten bereits bei 23 Prozent. Dass allerdings der Anteil der Frauen in den Vorständen dieser Konzerne leicht gestiegen ist, lässt sich kaum als Erfolg verbuchen. Im Jahr zuvor war er nämlich stark gesunken. „Da macht die Ernennung einer Frau schon einen großen statistischen Sprung aus“, sagt Falkenhausen. Neu hinzugekommen sind 2014 in Vorständen der Dax-30-Unternehmen etwa Giuseppina Albo bei Munich Re, Ariane Reinhardt bei Continental und Lisa Davis bei Siemens.

Weibliche Vorstände kommen oft von außen

Dass eine Reihe an Frauen in Vorstandspositionen deutscher Unternehmen in der Vergangenheit gescheitert sind, erklärt Falkenhagen damit, dass diese häufig von außen kamen und daher wenig vertraut waren mit der jeweiligen Unternehmenskultur. „Besonders gravierend ist ein solcher Nachteil im Personalressort, das häufig von Frauen besetzt wird.“ Zudem gebe es noch immer Unternehmen, in denen Frauen als Fremdkörper wahrgenommen würden und sich genauso fühlten.

Das beobachtet auch Kristina Borrmann. Die Unternehmensberaterin ist im Vorstand des Berliner Landesverbandes des VDU, dem Verband deutscher Unternehmerinnen. „In Konzernen haben Frauen einen sehr schwierigen Stand“, sagt sie. Auch sei an der Spitze Mobbing ein Problem – sodass einige „irgendwann freundlich abdanken“. Im Berliner Mittelstand gebe es dagegen mehr Frauen in Führungspositionen, was Borrmann auch mit dem Fachkräftemangel erklärt.

In der Hauptstadt wirbt derzeit Dilek Kolat (SPD), Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, mit ihrer Kampagne „Unternehmen mit Frauen an die Spitze“. Bei einem Besuch des mittelständischen Software-Unternehmens Projektron gestern sprach sie sich dafür aus, dass mehr Firmen es möglich machen, Managementaufgaben auch in Teilzeit auszuüben. „Dann sind diese Positionen auch leichter für Frauen zugänglich.“

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