Wirtschaft : Weiter Rätselraten um die Hintermänner von Cobra - Sind die Investoren seriös?

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An ihnen lässt derzeit kaum jemand ein gutes Haar, weder die Frankfurter Geldszene noch die Presse. Als zwielichte Gestalten, Finanzakrobaten, gar als "Trio Brutale " (Spiegel) und "Copacabana-Connection" (Wirtschaftswoche) müssen sich die drei älteren Herren titulieren lassen: Klaus-Peter Schneidewind, Clemens Vedder und Hansgeorg Hoffmann. Zusammen arbeiten sie daran, bei der Commerzbank AG das Ruder zu übernehmen. 17 Prozent der Anteile an Deutschlands viertgrößtem Geldhaus haben sie mittlerweile über die in Köln ansässige Cobra Beteiligungsgesellschaft mbH erworben, in Zukunft sollen es bis zu 20 Prozent werden. Mit Spannung erwarten die Branche und die übrigen Commerzbank-Aktionäre deshalb die Hauptversammlung der Bank am kommenden Freitag: Werden die neuen Investoren tatsächlich, wie angekündigt, keinen Einfluss auf die Vorstandspolitik oder die Zusammensetzung des Aufsichtsrates nehmen? Dies zumindest hatten sie versprochen, als sie den Commerzbank-Vorstand und die Öffentlichkeit lapidar und nahezu zeitgleich wissen ließen, die Beteiligung sei "eine reine Finanzanlage, welche der Commerzbank die Chance eröffnet, langfristig eine stabile Aktionärsstruktur zu finden".

Derweil ist aber noch immer nicht klar, wer als Geldgeber tatsächlich hinter Cobra und ihrer Muttergesellschaft, der niederländischen Holding Rebon B.V., Amsterdam, steht. Schneidewind und Vedder, die beiden Co-Eigentümer, genießen in der Branche nicht den besten Ruf. Vedder war früher Schatzmeister des Eishockeyclubs Kölner EC, später Immobilienhändler und soll sich des Öfteren wenig seriöser Geschäftspraktiken befleißigt haben. Wie Schneidewind verdient er sein Geld, indem er preiswert Aktienpakete von Unternehmen kauft und sie teuer wieder abstößt. Hansgeorg Hofmann, der Dritte im Bunde und Geschäftsführer der Cobra, dient Schneidewind und Vedder als Alibimann, argwöhnt die Branche - denn er verfügt als Ex-Vorstand der Dresdner Bank über Erfahrung im Bankgeschäft. Und die ist unabdingbar, will ein Investor im größeren Stil in ein Geldhaus einsteigen. Darüber wacht das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen, das das Cobra-Engagement derzeit prüft. Ist ein Investor nicht verlässlich, gefährdet er gar den Bestand der Bank und damit die Stabilität der Volkswirtschaft, kann ihn die Behörde zum Verkauf seiner Anteile zwingen. Freilich ist auch Hofmanns Weste nicht unbefleckt: Wegen Steuerhinterziehung zeigte er sich 1997 selbst an und trat daraufhin von seinem Vorstandsposten zurück.

Um 17 Prozent der Commerzbank-Anteile aufzukaufen, benötigt die Cobra - beziehungsweise ihre Hintermänner - einen schönen Batzen Geld: Ein solches Paket kostet nach heutigen Marktpreisen weit über sechs Milliarden Mark. Hinter der Beteiligungsgesellschaft soll denn auch eine Reihe finanzkräftiger Investoren stehen. Die jeweils kursierenden Namen nennt die Cobra jedoch "frei erfunden". Die Commerzbank selbst hofft, dass Cobra nicht den Kontakt zu anderen Banken sucht, die eine Übernahme oder eine Zerschlagung planen könnten, sondern eher den bisherigen Großaktionären Generali und BSCH ein Angebot zur Aufstockung machen will. Generali hält derzeit fünf, BSCH 4,8 Prozent an dem Geldhaus. Sollte Cobra dennoch die Bank meistbietend verkaufen, müsste Commerzbank-Chef Martin Kohlhaussen umdenken - er hat bislang alle Fusionstrends in Bausch und Bogen verdammt. Seine Tage bei der Commerzbank sind ohnehin gezählt: Kohlhaussens Vertrag läuft im Mai 2001 aus.

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