Wirtschaft : Weitere Kapazitäten für den Transporter "Sprinter" in den USA gesucht

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Daimler-Chrysler rechnet mit einem durchschlagenden Erfolg seines Transportermodells Sprinter, das vom kommenden Jahr an erstmals auch in den USA verkauft werden soll. "Im Augenblick sehen wir Absatzmöglichkeiten für etwa 20.000 Einheiten", sagt Transporter-Chef Rolf Bartke. Der Bau eines eigenen US-Werkes für den Sprinter sei noch nicht beschlossen, erst bei jährlich 50.000 verkauften Autos sei eine lokale Produktion wirtschaftlich zu vertreten. "Mit Bezug auf die langfristige Perspektive dieses Projektes prüfen wir Alternativen für mögliche Standorte in den USA", lässt Bartke gegenüber dem Handelsblatt immerhin durchblicken.

Konzernintern wird schon intensiver über eine US-Fabrik für den Sprinter nachgedacht. Wie es in der Stuttgarter Daimler-Chrysler-Zentrale heißt, könnte eine Entscheidung über den Standort spätestens im Herbst fallen. An eine Fertigung in Tuscaloosa im US-Bundesstaat Alabama, wo der Mercedes-Geländewagen (M-Klasse) produziert wird, sei allerdings nicht gedacht. Als Alternative böte sich auch eine Produktion in einem Chrysler-Werk an. Eine komplette neue Fabrik würde voraussichtlich Investitionen von mehreren 100 Millionen Mark nach sich ziehen.

Bislang keine Mercedes-Lkw in den USA

In jedem Fall wird mit dem Sprinter vom nächsten Jahr an erstmals ein Mercedes-Nutzfahrzeug-Modell in den USA verkauft. Bislang ist DaimlerChrysler lediglich mit seinen amerikanischen Töchtern Freightliner, Sterling und Thomas Built in diesem Segment in den Vereinigten Staaten vertreten. Der Automobilkonzern will beim Sprinter allerdings nicht das Risiko eingehen, die Nutzfahrzeug-Marke Mercedes komplett neu auf dem US-Nutzfahrzeugmarkt einzuführen. Mercedes ist amerikanischen Kunden lediglich als Pkw-Marke bekannt. Aus diesem Grund hat die Stuttgarter Konzernzentrale bereits beschlossen, dass der Sprinter in den USA künftig als ein Freightliner-Produkt verkauft wird. Nutzfahrzeug-Vorstand Dieter Zetsche will nicht ausschließen, dass künftig noch mehr Mercedes-Produkte von Europa aus in die USA gehen werden. Der Sprinter eröffne zunächst einmal ein neues Marktsegment. "Sollten wir darüber hinaus weitere Chancen erkennen, werden wir prüfen, mit welchen Produkten wir sie nutzen können", erläutert Zetsche.

Vom Sprinter - ein Auto mit maximal knapp fünf Tonnen Gewicht - erwartet DaimlerChrysler Absatzerfolge besonders bei Kunden aus den Bereichen Kurier- und Paketdienst. Die ersten Testfahrzeuge sind bereits seit dem vergangenen Jahr beim Kurier-Riesen Federal Express (Fedex) im Einsatz. Zusätzliche Absatzmöglichkeiten verspricht die wachsende Bedeutung des E-Commerce im Internet. Immer häufiger müssen Waren, die über elektronische Handelsplattformen bestellt worden sind, zu den Kunden ausgeliefert werden. Zuletzt hatte die Post AG einen Großauftrag über rund 9000 Fahrzeuge erteilt.

Der Sprinter kommt aus Düsseldorf

So lange es noch kein US-Werk für den Sprinter gibt, müssen die Autos von Deutschland aus exportiert werden. Produktionsort für das Fahrzeug ist Düsseldorf. Wegen der guten Absatzerfolge des Transporters und wegen des anstehenden Verkaufs in den USA will DaimlerChrysler in den nächsten Monaten 400 neue Stellen im Düsseldorfer Transporter-Werk schaffen. Von September an ist die Einführung einer dritten Schicht vorgesehen. Zurzeit sind in dem Werk rund 4500 Mitarbeiter sowie 200 Auszubildende beschäftigt. In dem Mercedes-Werk war die Produktion bereits in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt hochgefahren worden. 1999 sind 115.000 Sprinter von den Bändern gerollt, im Jahr 2000 sollen es insgesamt 120.000 Autos werden. DaimlerChrysler produziert den Sprinter seit 1995, mehr als eine halbe Million Fahrzeuge wurden seitdem verkauft. In Westeuropa gilt der Transporter als Marktführer.

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