Wirtschaft : Weiterer Daimler-Chrysler-Manager beurlaubt

Ende der Untersuchung in der Affäre um angebliche Graumarktgeschäfte nicht in Sicht

Martin Benninghoff

Stuttgart – Erneut muss ein Manager von Daimler Chrysler seinen Posten räumen. Seit Montag ist Siegbert Zeh, der Chef der Leipziger Mercedes-Niederlassung, beurlaubt. Wie aus Unternehmenskreisen verlautete, steht die Beurlaubung in Zusammenhang mit den Untreuevorwürfen um Graumarktgeschäfte.

Dabei sollen Autos offenbar an den offiziellen Vertriebskanälen vorbei ins Ausland verschoben worden sein – deutlich unter Listenpreis. Ein mögliches Beispiel: Wenn ein Mercedes vom Typ C-Klasse, Listenpreis 30000 Euro, für 20000 Euro am offiziellen Vertrieb vorbei in die Ukraine geht, bleibt genügend Spielraum für eine – illegale – Provision an den Mitwisser im Vertrieb von Daimler-Chrysler. In dem fiktiven Beispiel könnten sich also der Händler und der Verbindungsmann im Vertrieb den Gewinn teilen.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt in diesem Fall, wie berichtet, gegen elf Personen wegen des Verdachts der Untreue. Ob Zeh darunter ist, wollte die Staatsanwaltschaft nicht sagen. Im Fokus der Ermittler stünden aber nicht nur Mitarbeiter von Daimler- Chrysler, heißt es aus Unternehmenskreisen.

Vor Zeh wurden schon andere hochrangige Manager beurlaubt und mittlerweile gekündigt, darunter Jürgen Fahr, der ehemalige Vertriebschef für Mercedes-Pkw und der Luxusmarke Maybach, sowie Walter Missing, zuvor Leiter der Hamburger Mercedes-Niederlassung.

Neben den Graugeschäften könnten noch weitere dubiose Geschäfte der Grund für die umfassenden Ermittlungen sein: Im Unternehmen besteht der Verdacht, dass Manager auf Kosten Daimler- Chryslers Handwerker zu ihren Privathäusern auf Mallorca bestellt haben.

Zeh dürfte somit nicht der letzte Name sein, der in der Affäre eine Rolle spielt. Die Untersuchung des Falls sei nach den Angaben einer Sprecherin des Unternehmens noch nicht am Ende. Auch die Staatsanwaltschaft äußerte sich nicht, wann die Ermittlungen zum Ende kommen könnten.

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