Weniger Auktionen, mehr Festpreise : Ebay-Relaunch soll Händler locken

Das Internetauktionshaus Ebay hat heute auf einer Pressekonferenz in Berlin sein neues Geschäftsmodell vorgestellt. Die Änderungen sollen Festpreisangebote für Händler gegenüber Auktionen begünstigen. Ebay wolle so zu Online-Warenhäusern, wie Amazon aufschließen.

Kristin Karnbach
Ebay
Das Internetauktionshaus Ebay baut um. -Foto: dpa

BerlinVon dem Relaunch im Aktionshaus Ebay werden vor allem die Betreiber von Shops profitieren. Denn der Internet-Marktplatz will mit einem Pauschalpreis und einer neuen Angebotsstruktur in Deutschland mehr gewerbliche Händler anlocken. Zwar werden die Provisionen, die nach erfolgreichem Verkauf an Ebay gezahlt werden müssen, steigen. Insgesamt würden Händler aber mit weniger Gebühren belastet, da zum Beispiel auch die Einstellungsgebühren gesenkt werden. Zudem soll die zeitliche Begrenzung der Angebote aufgehoben werden.

"Ein gewerblicher Verkäufer kann jetzt auf Ebay das tun, was er auch in anderen Webshops tun kann, nämlich sein gesamtes Inventar online stellen und zum Verkauf anbieten. Der Verkäufer ist nicht mehr darauf angewiesen, innerhalb von zehn Tagen zu verkaufen, weil das Listing ausläuft, sondern kann das Angebot mit unbegrenzter Laufzeit zeigen", sagte Stefan Groß-Selbeck, Ebay-Chef Deutschland.

Weniger Autkionen, mehr Festpreise

Die Änderungen sollen Festpreisangebote für Händler gegenüber Auktionen begünstigen. Mit dieser Strategie wolle Ebay zu großen Online-Warenhäusern, wie Amazon aufschließen. Bislang erzielte Ebay 57 Prozent seiner Umsätze mit Auktionen.

Im Gegenzug müssen alle Shop-Betreiber das hauseigene Bezahlsystem PayPal akzeptieren. Einen sicheren Schutz vor Betrügern wird diese Neuerung aber kaum leisten können. Auch wenn das bisher geltende Limit von 1000 Euro beim Käuferschutz wegfällt, werden die Verbraucher davon keinen Nutzen haben. Eine "Kulanzleistung" werde nämlich "erfahrungsgemäß nur dann gewährt, wenn beim Verkäufer noch etwas zu holen ist", sagte Ebay Experte Axel Gronen gegenüber heute.de. Ein Rechtsanspruch bestehe also nicht. Der PayPal-Käuferschutz sei gegen richtige Betrüger nutzlos.

Änderungen bei der Bewertung

Zudem soll das Bewertungssystem verändert werden. Verkäufer, die von ihren Kunden schlecht bewertet wurden, sollen stärker sanktioniert werden. Auch überhöhte Versandkosten, die vor dem Kauf nicht ersichtlich waren, sollen künftig ausgeschlossen werden. "Schon seit Mitte Juni gelten für 31 Kategorien Obergrenzen für Versandkosten zwischen fünf und acht Euro je Lieferung - und wir planen solche Grenzen auch für weitere Kategorien. Darüber hinaus müssen unsere Verkäufer zukünftig mindestens einen Versandservice mit allein anfallenden Kosten mit angeben. Ohne die Angabe von Versandkosten können künftig keine Produkte mehr eingestellt werden", sagte Groß-Selbeck.

Werden Verkäufer hingegen sehr gut bewertet, möchte Ebay einen Pauschaltarif anbieten. "Ein Abonnement für 299 Euro im Monat berechtigt die Shopbetreiber, so viele Produkte einzustellen wie sie möchten", heißt es. Das Ziel sei mindestens die Verdopplung der angebotenen Artikel auf Ebay, um die Attraktivität für die Käufer zu erhöhen.

Produktsuche wird einfacher

Damit die Kunden bei der riesigen Auswahl nicht die Übersicht verlieren, soll zudem die Produktsuche geändert werden. Käufer hatten in der Vielzahl der angebotenen Produkte zuletzt immer mehr Schwierigkeiten, die gewünschte Ware zu finden. Das soll jetzt besser werden.

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