Wirtschaft : Weniger Briefe, mehr Päckchen

Die Deutsche Post verdient wieder besser und erhöht die Jahresprognose

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Sorgenkind Briefgeschäft. Konzernchef Frank Appel setzt auf Internethandel und Logistik für die Schwellenländer. Foto: dpa
Sorgenkind Briefgeschäft. Konzernchef Frank Appel setzt auf Internethandel und Logistik für die Schwellenländer. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin/Bonn - Das Internet ist für die Deutsche Post Konkurrent und Partner zugleich. Zwar schreiben die Kunden immer häufiger E-Mails anstelle von Briefen. Dadurch geht das klassische Briefgeschäft zurück. Dafür bestellen sie immer häufiger Waren im Internet. Geliefert werden sie mit der Post. Darum boomt der Paketversand. Die Logistiksparte wiederum profitiert von der guten Weltkonjunktur, an der die Post teil hat, indem sie Waren und Güter auch für Industriekunden, etwa aus der Autoindustrie, oder dem Maschinenbau transportiert. Unter dem Strich konnte das Unternehmen darum im zweiten Quartal einen überraschenden Gewinnsprung verzeichnen.

Nach Steuern verdreifachte sich der Gewinn auf 278 Millionen Euro, teilte das Unternehmen am Dienstag in Bonn mit. Ein Jahr zuvor waren es nur 81 Millionen Euro gewesen. Analysten hatten mit weniger gerechnet. Das Vorjahresergebnis war allerdings von Sonderaufwendungen in Höhe von rund 250 Millionen Euro belastet worden. Damals hatte sich die Post unter anderem aus dem nationalen Expressgeschäft in Frankreich verabschiedet.

Der Konzern hob auch die Erwartung für das Gesamtjahr 2011 leicht an. Der Internethandel nehme weiter zu, das Wachstum in den Schwellenländern sei ungebrochen, hieß es zur Begründung. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen soll am Jahresende das obere Ende der bisher genannten Spanne von 2,2 bis 2,4 Milliarden Euro erreichen. Im vergangenen Jahr hatte die Post insgesamt 2,5 Milliarden Euro verdient. Ohne den Erlös aus dem Verkauf der Postbank wäre es aber nur rund eine Milliarde gewesen. Die Chancen stünden gut, dass die Post ihren Ausblick sogar noch übertrifft, erklärten die Analysten von Cheuvreux. An der Börse überwog die Angst vor einer neuen Rezession, darum fiel die Aktie ins Minus.

Der Vorstandsvorsitzende Frank Appel sieht in dem guten Quartalsergebnis auch ein Zeichen für bessere Effizienz im Unternehmen. Am meisten profitierte die Post vom Wachstum im Expressgeschäft, der Fracht und der Lieferketten-Logistik. Sie steuerten im zweiten Quartal 471 Millionen Euro zum operativen Gewinn bei. Vor allem im asiatischen Raum zog das Geschäft kräftig an. „Es gibt immer noch sehr gutes Wachstum im hohen einstelligen Bereich in den wichtigen Märkten in Asien – China und Indien – und auch inLateinamerika“, sagte Finanzvorstand Larry Rosen. Auch die Treibstoffkosten hätten sich im zweiten Quartal stabilisiert. Die bisherigen Steigerungen habe das Unternehmen voll und ganz an die Kunden weitergeben können.

Das Post-Sorgenkind Brief lag im zweiten Quartal mit einem Umsatz von knapp 3,3 Milliarden Euro fast auf Vorjahresniveau. Dafür wurden zehn Prozent mehr Päckchen und Pakete befördert, der Umsatz legte um acht Prozent zu. Rabatte für Firmenkunden und die Anlaufkosten für den neuen, digitalen E-Postbrief drückten den operativen Gewinn der Sparte aber auf 183 Millionen Euro, ein Viertel weniger als im Vorjahr. mit dpa, rtr

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