Weniger Jobsuchende im September : Mehr Druck für Arbeitslose

Die Zahl der Arbeitslosen sinkt um nur 97.000. Der Grund: Immer mehr Zuwanderer aus dem Ausland finden den deutschen Jobmarkt attraktiv

Carsten Brönstrup
Im Vergleich zum September des vergangenen Jahres waren 61.000 Menschen mehr arbeitslos gemeldet.
Im Vergleich zum September des vergangenen Jahres waren 61.000 Menschen mehr arbeitslos gemeldet.Foto: dpa

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland sinkt - aber die Konkurrenz unter den Jobsuchenden wächst. Im September waren 2,85 Millionen Menschen ohne Job, das waren 97.000 weniger als einen Monat zuvor. Der hohe Beschäftigungsstand hierzulande wird für immer mehr Menschen attraktiv, auch aus dem Ausland. Das gilt nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) etwa für Zuwanderer aus Süd- und Osteuropa. Allein in diesem Jahr hätten rund 270 000 Männer und Frauen aus EU-Staaten eine Arbeit gesucht, sagte BA-Vorstand Heinrich Alt am Dienstag in Nürnberg.

Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum August um 0,2 Prozentpunkte auf 6,6 Prozent. Saisonbereinigt stieg die Arbeitslosigkeit nach Angaben der Arbeitsagentur im September im Vergleich zum Vormonat um 25.000. "Insgesamt zeigt sich der deutsche Arbeitsmarkt in einer guten Grundverfassung, gleichzeitig werden aber strukturelle Probleme immer deutlicher“, sagte Alt.

Ohne die jahreszeitlichen Schwankungen stieg die Arbeitslosenzahl laut BA unerwartet um 25.000 zum Vormonat. Die noch amtierende Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sprach von einer “sehr robusten“ Lage nach dem Sommer, mahnte aber auch: “Der Beschäftigungsaufbau zieht zu wenig Arbeitslose wieder zurück ins Erwerbsleben.“ Denn die Qualifikationsprofile der Arbeitslosen passten inzwischen seltener zu den Anforderungen der Firmen. “Deshalb müssen wir in der Arbeitsmarktpolitik jetzt noch stärker und breiter auf Weiterbildung und Qualifizierung setzen“, betonte die Politikerin.

Auch in Berlin ging die Arbeitslosigkeit zurück. Im September waren 204.534 Arbeitslose gemeldet, 6.364 weniger als im August 2013. Die Arbeitslosenquote beträgt 11,3 Prozent, das ist erneut der schlechteste Wert im Vergleich der Bundesländer.

Nach einer Analyse des zur BA gehörenden Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) werden Arbeitslose auch im kommenden Jahr starke Konkurrenz haben. Trotz eines neuen
Beschäftigungsrekords wird die Arbeitslosigkeit 2014 demnach nur leicht sinken. Während die Zahl der Beschäftigten um 240.000 steigen soll, werde die Arbeitslosigkeit nur um 40.000 sinken. Insgesamt werden dann nach der IAB-Berechnung knapp 42,1 Millionen Menschen eine Arbeit haben.

In der Euro-Zone ging die Arbeitslosigkeit ebenfalls zurück, wenn auch nur minimal. 19,178 Millionen Männer und Frauen hatten im August keinen Job, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. Das waren etwa 5000 weniger als im Vormonat, aber knapp 900.000 mehr als vor einem Jahr. Die um jahreszeitliche Schwankungen bereinigte Arbeitslosenquote verharrte auf dem Juli-Wert von 12,0 Prozent. Im Juni hatte es noch einen Rekordstand von 12,1 Prozent gegeben.

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