Wirtschaft : Weniger Schnäppchen auf dem Reisemarkt

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Trotz teurem Dollar bleiben USA attraktiv - Internationale Tourismusbörse ITB in Berlinalf

Die Jagd nach Schnäppchen wird schwieriger: Da die Deutschen ihre Reisen immer später buchen, reduziert sich das Angebot der Last-Minute-Trips, erläuterte Gerd Hesselmann, Präsident des Deutschen Reisbüroverbands, am Montag in Berlin. Der Anteil der Last-Minute-Reisen werde voraussichtlich bei zehn Prozent stagnieren. In diesem Jahr zählten wiederum die USA, Spanien, Thailand, Griechenland und Kroation zu den beliebtesten Zielen, insbesonder dann, wenn ein Badeurlaub gewünscht sei, sagte Hesselmann auf der Eröffnungspressekonferenz der Internationalen Tourismus-Börse ITB. Die Messe (11. bis 15. März) wird am Sonnabend von Bundeswirtschaftsminister Werner Müller eröffnet.

Hesselmann zufolge können die Urlauber in dieser Saison mit stabilen Preisen rechnen. Nach einem Plus von acht Prozent bei Buchungen und Teilnehmern im Vorjahr erwartet der Verband für die laufenden Saison drei bis fünf Prozent Wachstum. Trotz des hohen Dollar-Kurses würden viele in die USA reisen; nach zwei Millionen im vergangenen Jahr werden im laufenden Jahr rund 1,9 Millionen US-Besucher erwartet, davon fliegen 750 000 zum Baden nach Florida. Die Reisebüros und Reiseveranstalter insgesamt haben im vergangenen Jahr bei den Flugreisen ein Plus von neun Prozent und bei den Reisen mit Bahn, Bus oder Pkw einen Zuwachs von fünf Prozent verzeichnet. Dabei wird im Schnitt die "Haupturlaubsreise" etwas kürzer, dafür fahren die Deutschen häufiger weg - auch innerhalb der Grenzen.

1999 sei "Deutschland wieder einmal das beliebteste Reiseziel der Deutschen gewesen", sagte der Chef des Tourismusverbandes, Jürgen Linde. Erstmals wurden mehr als 100 Millionen Gäste gezählt, und auch bei den Übernachtungen sei mit 300 Millionen ein Rekordstand erreicht worden. Besonders beliebt war Mecklenburg-Vorpommern, wo die Übernachtungszahlen um 17,6 Prozent auf 15,6 Millionen stieg. Berlin kam auf 9,5 Millionen Übernachtungen (plus 14,6 Prozent) und Brandenburg auf 7,9 Millionen (plus sieben Prozent). Die überregionalen Branchendaten präsentierte Erich Kaub, Präsident des Bundesverbandes der Tourismuswirtschaft: Rund 2,8 Millionen Arbeitsplätze hängen in der Bundesrepublik mehr oder weniger vom Tourismus ab; rund 330 Milliarden Mark werden für Urlaub und Reise im Inland ausgegeben, und alles in allem entspricht der Anteil der Reisewirtschaft am Bruttoinlandsprodukt rund acht Prozent. Kaub kritisierte den Konzentrationsprozess in der Branche, nur zwei Touristikkonzerne (TUI-Gruppe und C & N Touristic) würden mehr als 50 Prozent des Geschäfts abwickeln, was zu Lasten der kleinen und mittleren Wettbewerber gehe. "Die Entwicklung auf dem E-Commerce-Sektor" dürfte die Schwierigkeiten für die Kleinen noch erhöhen, meinte Kaub. Das weltweite Marktvolumen von Online-Reise-Buchungen werde im Jahr 2003 voraussichtlich bei 29 Milliarden Dollar liegen; 1988 waren es drei Milliarden Dollar.

Verbandspräsident Knaub nutzte die Gelegenheit zur Kritik an der Bundesregierung, insbesondere an der Reform der 630-Mark-Jobs, die "das Gastgewerbe ganz erheblich beeinträchtigt". Es sei grotesk, aber "die Personalrekrutierung ist das Kernproblem einer Branche auf einem Arbeitsmarkt mit vier Millionen Arbeitslosen". Also, schlussfolgert Knaub, "machen wir den Weg frei für ausländische Arbeitnehmer", denn in Tourismus und Gastgewerbe seien die ausländischen Beschäftigten "schon lange keine Gefahr mehr für die Arbeitslosen". Als "kleinen Schritt" zur Erleichterung der Personalsuche forderte Knaub die Abschaffung der Trinkgeldsteuer.Auf der diesjährigen ITB sind 8800 Aussteller vertreten, davon 6800 aus dem Ausland; am 13. und 14. März ist die Messe den Fachbesuchern vorbehalten. Am 11., 12. und 15. März kann jedermann von 10 bis 18 Uhr auf das Gelände unterm Funkturm. Die Tageskarte kostet 22 Mark, Schüler und Studenten zahlen zwölf Mark.

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