Wirtschaft : Wenn Bürger Gutes tun

Zahl der Stiftungen in zehn Jahren verdoppelt

Juliane Schäuble

Berlin - Ob Sängerinnen, Kunstsammler oder Unternehmer: Immer mehr Deutsche gründen Stiftungen. Von einem wahren Stiftungsboom spricht gar der Bundesverband Deutscher Stiftungen (BDS), der am Montag in Berlin den Stiftungsreport 2007 vorlegte. Danach wurden allein im vergangenen Jahr 899 Stiftungen neu gegründet. Die Hälfte aller existierenden Stiftungen seien in den vergangenen zehn Jahren entstanden, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, Hermann Kues (CDU).

Als Ursache für den Trend gilt, dass immer mehr große Vermögen vererbt werden und das Stiftungsrecht im Jahr 2000 liberalisiert wurde. Mit der weiteren, für Juni geplanten Reform des Spendenrechtes könnte sich diese Entwicklung noch beschleunigen. „Die starken Jahre liegen noch vor uns. Die Zahl der heute rund 14 000 Stiftungen könnte sich in einer Generation verdreifachen“, sagte BDS-Generalsekretär Hans Fleisch.

Wo der Staat immer stärker sparen muss, gewinnt bürgerschaftliches Engagement zunehmend an Bedeutung. Doch seien Stiftungen „kein Ersatz für staatliches Handeln, sondern eine Ergänzung“, betonte Klaus Wehmeier, Vorstandsmitglied der Hamburger Körber-Stiftung.

Berlin ist dabei vergleichsweise wenig stiftungsfreundlich, im Gegensatz etwa zu Hamburg. Überhaupt schneiden Städte, in denen Bürgertum und Kaufmannschaft traditionell einflussreich waren, besonders gut ab. Denn selbst die kleine Hansestadt Bremen kommt mit 230 Stiftungen auf fast die Hälfte aller Berliner Stiftungen (556). In der Hauptstadt zeigten sich die Folgen der sozialistischen Herrschaft im einst in der DDR gelegenen Ostteil, schreibt der BDS. Das damalige Regime habe für Stiftungen keinen Platz in der Gesellschaft vorgesehen.

Auffällig ist, dass immer mehr Frauen ihr Geld einem guten Zweck widmen. Bis 1990 wurde weniger als ein Fünftel der Stiftungen von Frauen ins Leben gerufen; seit 1991 waren Stifterinnen bei mehr als der Hälfte aller Neugründungen beteiligt. Doch noch immer sind die Männer stärker vertreten. Der Grund: Hohe Vermögen konzentrierten sich „nach wie vor überproportional“ in ihren Händen, heißt es in dem Bericht.

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