Wirtschaft : Wenn das Fernsehen ins Telefonkabel kommt

Hansenet: Neues Angebot schafft Arbeit in Berlin

Corinna Visser

Berlin - Die Telefongesellschaft Hansenet will schon bald neben Telefon und Internet auch Fernsehen über das Telefonkabel anbieten. „Wir starten im Mai in Hamburg mit 100 Kanälen“, sagte Hansenet-Geschäftsführer Harald Rösch im Gespräch mit dem Tagesspiegel am Sonntag. Welche Sender dazu gehören werden, wollte er noch nicht verraten. Neben den üblichen auch im Kabel verfügbaren Sendern würden auch Spartenkanäle eingespeist, sagte er. „Kurzfristig wird es unser TV-Angebot auch in Berlin geben.“ Derzeit gewinnt Hansenet laut Rösch jeden Monat 10 000 Kunden in der Hauptstadt. „Aktuell haben wir 130 000 Kunden in Berlin, darunter sind etwa 3000 Geschäftskunden“, sagte Rösch.

Damit erreicht Hansenet bei den 1,8 Millionen Haushalten in Berlin inzwischen einen Marktanteil von 7,5 Prozent. Unter dem Produktnamen „Alice“ bietet Hansenet bisher Telefon und schnelle Internetanschlüsse (DSL) an. „Berlin ist für uns der zweitwichtigste Markt“, sagte Rösch. „Ende des Jahres wollen wir hier mindestens 200 000 Kunden haben.“ Um das Ziel zu erreichen, hat Hansenet in Berlin seine Werbemaßnahmen noch einmal verstärkt. Das gesamte Budget für Werbung liege „im unteren zweistelligen Millionenbereich“, ein Schwerpunkt der Aktivitäten werde in Berlin gesetzt – zum Beispiel mit den großen Installationen an der Gedächtniskirche und am Alexanderplatz.

Mit der Eröffnung eines neuen Büros in Berlin wird die Mitarbeiterzahl von zehn auf 20 erhöht. „Kurzfristig wird auch die Zahl der Mitarbeiter, die bei Partnerfirmen für Hansenet in Berlin arbeiten, von 100 auf 200 steigen“, sagte Rösch. In der Heimatstadt Hamburg hat Hansenet mit 330 000 Kunden fast jeden dritten Haushalt an sein Netz angeschlossen.

Hansenet kämpft dabei nicht nur um die Kunden, die von der deutschen Telekom zu Alice wechseln sollen, sondern immer stärker auch gegen die Angriffe der Mobilfunkanbieter auf das Festnetzgeschäft. Das wirkt sich zum einen auf die Tarife aus: Ab Anfang April ist in allen Alice-Tarifen für Privatkunden eine Telefon-Flatrate eingeschlossen. Das heißt, Anrufe ins deutsche Festnetz sind dann mit dem Monatspreis (ab 29,90 Euro inklusive zeitbasierter DSL-Zugang) bereits bezahlt.

Zum anderen weitet Hansenet sein Angebot aus und setzt dabei ebenso wie zum Beispiel die Deutsche Telekom auf Triple Play, also darauf, neben Telefon und Internet künftig auch Fernsehen aus einer Hand anzubieten. Das geht mit der bereits heute vorhandenen DSL-Technik, die Hansenet nutzen wird.

Künftig würde Hansenet aber gern auf die leistungsfähigere VDSL-Technik umsteigen. „Dazu brauchen wir den Zugang zu den Leerrohren der Deutschen Telekom, um dort unsere eigenen Kabel verlegen zu können“, sagte Rösch. „Wir verhandeln mit der Telekom, aber ich glaube nicht, dass wir ohne die Hilfe der Bundesnetzagentur zu einer Einigung kommen werden.“ Hansenet sei bereit, selbst zu investieren. „Wir wollen nicht huckepack auf den Investitionen der Telekom reiten“, sagte Rösch. „Wir wollen aber den Zugang zu den Rohren, sonst müssten wir die Städte umgraben und das macht ökonomisch keinen Sinn.“

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