Wirtschaft : Wenn das Handy viermal klingelt

Tewe Pannier

Bevor die Verhandlung beginnt, packt der junge Scheich seine Telefone aus. Eines holt er aus der linken tiefen Tasche seines weißen Gewandes. Eines kramt er aus der rechten tiefen Tasche. Das dritte Handy hatte er schon in der Hand, als er in den Raum trat.

In Arabien ist das Handy mehr als nur ein Telefon. Die Wahl des Modells (ganz neu!) verschafft Status. Die Wahl des Klingeltons drückt die Persönlichkeit aus (ein elektronischer Gebetsruf steht für Frömmigkeit). Die Zahl der Geräte ist ein Beweis für die Geschäftigkeit.

Unüblich ist das Abschalten des Handys, egal wann. Auf einem Flug nach Muskat telefoniert die verschleierte Dame mit den hennabemalten Händen neben mir von Start bis Landung durch, die Mahnungen der Stewardess ignoriert sie prinzessinenhaft, vermutlich weil sie eine Prinzessin ist. Keine Sitzung ist wichtig genug, um nicht vom Klingeln eines Handys gestört zu werden.

Das Handy als Flirtgerät funktioniert so, erklärt mir Faisal, ein Mittzwanziger aus Abu Dhabi: „Ich könnte ein Mädchen aus guter Familie ja nie nach ihrer Nummer fragen. Also stecke ich ihr ein neues Handy zu – dann habe ich ihre Nummer!“ Bei dem Scheich mit den drei Handys scheint es mit dem Flirten geklappt zu haben. Auf die Frage, wozu er denn drei Geräte braucht, sagt er: „Auf einem erreicht mich mein Büro, die andere Nummer gebe ich heraus. Und das dritte“, er lächelt etwas verlegen, „ist für meine Frau.“ Das Dritte hatte in den vergangenen zwei Stunden viermal geklingelt.

ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

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