Wirtschaft : Wer pleite war, flog raus

Verdi fordert Konsequenzen aus dem Kik-Skandal

Berlin - Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi fordert angesichts des jüngsten Datenschutzskandals beim Textildiscounter Kik erneut eine Verbesserung des Datenschutzes für Arbeitnehmer. Dem zur Unternehmensgruppe Tengelmann gehörenden Discounter wird vorgeworfen, über mehrere Jahre systematisch die persönlichen Vermögensverhältnisse seiner Mitarbeiter ausgeforscht zu haben. Die Daten seien bei der Auskunftei Creditreform angefragt worden. Ziel sei es gewesen, sich von Mitarbeitern zu trennen, wenn sie in massiven finanziellen Schwierigkeiten steckten.

Die Vorwürfe waren bereits 2009 bekannt geworden. Doch die Staatsanwaltschaft Dortmund musste ihre Ermittlungen einstellen, weil die Ermittler Kik nicht nachweisen konnten, dass das Unternehmen seinen Mitarbeitern mit der systematischen Erforschung der persönlicher Vermögensverhältnisse schaden wollte.

Nun hat sich jedoch ein langjähriger Kik-Bezirksleiter, dem nach eigenen Angaben bis zu 15 Filialen und mehr als 100 Mitarbeiter unterstanden, offenbart. In der ARD-Sendung „Panorama“ sagte er, er habe sich auf Anweisung von oben wegen negativer Auskünfte der Agentur Creditreform solcher Negativauskünfte von Mitarbeitern trennen müssen oder ihre Verträge nicht verlängern dürfen.

Kik äußerte sich auf Anfrage des Tagesspiegels nicht zu den Vorwürfen. „Panorama“ antwortete Kik schriftlich: „Das von Ihnen angeführte Verfahren wird bei Kik nicht mehr praktiziert.“ Seit Oktober 2009 arbeite Kik weder mit Creditreform noch einer anderen Wirtschaftsauskunftei zusammen.

Eine routinemäßige Abfrage der Daten aller Mitarbeiter, sei nicht hinnehmbar, sagte Verdi-Sprecher Christoph Schmitz. Zudem widerspreche diese Praxis dem Willen des Gesetzgebers, Menschen, die sich etwa in Privatinsolvenz befinden, eine Chance zu geben, finanziell wieder auf eigenen Füßen stehen zu können. Dem Missbrauch der Arbeitnehmerdaten müsse in der Neufassung des Datenschutzgesetzes Rechnung getragen werden. vis

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