Wirtschaft : Wer rastet rostet - der Allrounder wird 70

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Als Sprecher des Bankhauses Sal. Oppenheim ist Karl Otto Pöhl zwar 1998 ausgeschieden. Aber Ruhestand ist für den stets braungebrannten Banker, der am heutigen Mittwoch seinen 70. Geburtstag feiert, nach wie vor ein Fremdwort. Immer noch sind sein Wissen und sein Rat bei unzähligen Banken und Unternehmen gefragt. Die Weltbank baut genauso auf ihn wie diverse Anlagefirmen im In- und Ausland, ganz abgesehen vom Kölner Privatbankhaus, wo er immer noch im Aktionärsausschuss sitzt. Insofern ist Pöhl auch von der Holzmann-Krise berührt: Denn Oppenheim hat einen Fonds gemanagt, der sich um das verlustträchtigste Projekt, die Köln-Arena, gekümmert hat. Doch Pöhl wäre nicht Pöhl, würde er sich von solchen Ereignissen die Lebensfreude nehmen lassen. Er arbeitet eifrig an seinem Golf-Handikap, zieht sich oft auf sein Domizil an der Algarve zurück. Nur einmal war er wirklich verstimmt: Als der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl im Februar 1990 hinter dem Rücken des damaligen Bundesbank-Präsidenten Pöhl der DDR die Währungsunion anbot. Pöhl empfand das damals als Affront und Vertrauensbruch. Denn zuvor hatte der renommierte Notenbankchef immer wieder auf die Risiken einer Währungsunion hingewiesen. In den Augen der Bundesbank war die Währungsunion der falsche Weg mit falschen Umtauschkursen, die zwangsläufig zu hohen Schulden und hohen Zinsen führen musste. Ein Jahr wartete Pöhl ab, dann erklärte er im Mai 1991 seinen Rücktritt. Zwei Monate später gab er das Amt auf, trat aus dem Rampenlicht. Der ausgezeichnete Ruf blieb ihm erhalten. Pöhl, gebürtiger Hannoveraner, gelernter Diplom-Volkswirt und Journalist mit SPD-Parteibuch, prägte immerhin zwei Jahrzehnte die deutsche und internationale Finanz- und Währungspolitik an entscheidender Stelle. Karl Schiller holte ihn 1970 ins Wirtschaftsministerium, Helmut Schmidt 1973 ins Finanzministerium. Vier Jahre darauf kam der joviale und umgängliche Allrounder zur Bundesbank, deren Präsident er von 1980 bis Juli 1991 war.

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