Werksschließung : Opelaner machen mobil

Gegen die Schließung des Werks in Antwerpen wird heftig protestiert. Unterdessen ziehen die Betriebsräte ihre Zusagen über Sanierungsbeiträge zurück.

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Heißer Winter. Die Belegschaft protestiert gegen die Werksschließung in Belgien. Foto: rtrX02380

Berlin - Gegen die angekündigte Schließung des Opel-Werks im belgischen Antwerpen organisiert sich europaweiter Protest. Der von Opel-Chef Nick Reilly für kommende Woche angekündigte Sanierungsplan für den Autohersteller könnte dadurch in Zeitverzug geraten. Der Plan sollte die Grundlage für weitere Gespräche über Staatshilfen mit den europäischen Regierungen und der EU-Kommission liefern. Opel benötigt für seine Sanierung nach eigenen Angaben 2,7 Milliarden Euro an Staatshilfen. Etwa 600 Millionen Euro will die US-Mutter General Motors (GM) beisteuern.

Arbeitnehmervertreter kritisierten die von Reilly am Vortag bekannt gegebene Entscheidung am Freitag scharf. Die IG Metall kündigte Demonstrationen an und drohte damit, Zusagen der Arbeitnehmer über Lohnverzicht würden zurückgezogen, wenn das Werk geschlossen werde.

„Wenn Sie sich tatsächlich für dieses unnötige Vorgehen entscheiden, wird eine Einigung über die von Ihnen geforderten Einsparungen nicht möglich sein“, schrieben die Gewerkschaftschefs aus Frankfurt und Düsseldorf, Armin Schild und Oliver Burkhard, in einem Brief an Reilly. Für die Schließung sei „eine massive öffentliche Verbrennung von Bargeld (ca. 1 Milliarde US-Dollar) erforderlich“. Armin Schild ist zugleich Aufsichtsrat bei Opel. Die mühsam erzielte Einigung zwischen GM und den Beschäftigten auf einen Sanierungsbeitrag in Höhe von jährlich 265 Millionen Euro steht damit zur Disposition. Ebenso unsicher ist die von den Arbeitnehmern angestrebte Beteiligung an einer Opel AG. Die Verhandlungen, die mehr Mitbestimmungsrechte bringen sollen, kommen nicht voran.

Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz rief Opelaner in ganz Europa dazu auf, aus Protest gegen die einseitige Entscheidung Reillys am kommenden Dienstag an einer Betriebsversammlung in Antwerpen teilzunehmen. „Der Bruch des Rahmenvertrags, in dem Antwerpen exklusiv die Produktion von zwei kleinen SUV-Modellen als Ersatz für die Astra- Produktion zugesagt wurde, geht uns alle an“, heißt es in dem am Freitag veröffentlichten Aufruf.

Von Erleichterung war an den vier deutschen Opel-Standorten (Rüsselsheim, Bochum, Kaiserslautern, Eisenach), die nicht mehr von einer Schließung bedroht sind, am Freitag wenig zu spüren. „Die Schließung von Antwerpen kostet Opel in ganz Europa viel Geld, das wir nicht bezahlen werden“, sagte der Betriebsratsvorsitzende des Opel-Werks in Kaiserslautern, Alfred Klingel, dem Tagesspiegel. Die Art und Weise, in der sich Opel-Chef Reilly über Vereinbarungen mit den Betriebsräten hinweggesetzt habe, sei „nicht in Ordnung“. „Unter diesen Voraussetzungen ziehen wir nicht mit“, sagte Klingel.

Auch den Betriebsratschef aus Eisenach, Harald Lieske, hat die „Radikalität und Schnelligkeit, mit der ein Opel-Werk geschlossen werden solle, überrascht. Das Vertrauen in das Krisenmanagement von GM sei ohnehin „nicht sehr tief“. Nun stellten sich die Arbeitnehmer die Frage, auf welche Zusagen noch Verlass sei, sagte Lieske dieser Zeitung.

Die 2600 vor der Entlassung stehenden Opel-Mitarbeiter in Antwerpen können unterdessen auf der Suche nach neuer Arbeit auf Hilfe der EU hoffen. Die „Angelegenheit Opel erfüllt Kriterien“ für Hilfen der EU, wie ein Sprecher der EU-Kommission am Freitag in Brüssel sagte. Es müsse oberste Priorität für die EU haben, den betroffenen Arbeitern zu helfen, „so schnell wie möglich“ neue Arbeit zu finden.

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