Werkswohnungen und Begrüßungsgeld : Womit Firmen Fachkräfte locken

Unternehmen müssen sich etwas einfallen lassen, wenn sie für Fachleute attraktiv sein wollen. Einige Beispiele.

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Krankenpfleger, IT-Experten, Ingenieure – Fachkräfte werden in allen Branchen gesucht. Und der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern nimmt zu. Nach Schätzungen des Branchenverbandes Bitkom werden allein in der IT-Branche mehr als 40 000 Experten gesucht. 2020, so prognostiziert der DIHK, stehen sechs Millionen Arbeitskräfte weniger zur Verfügung. Die Unternehmen müssen sich also etwas einfallen lassen, wenn sie für Fachleute attraktiv sein wollen. Einige Beispiele:

VW baut Wohnungen

Der Volkswagen-Konzern hat 550 000 Beschäftigte weltweit, davon etwa 50 000 am Stammsitz in Wolfsburg. Um in Niedersachsen als Arbeitgeber interessant zu bleiben, hat sich das Unternehmen zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen: VW lässt sein Programm zum Bau von Werkswohnungen wieder aufleben. Die vor 60 Jahren gegründete Immobilientochter des Autokonzerns, die knapp 140 MIllionen Euro umsetzt, habe die Aufgabe, VW dabei zu unterstützen, Top-Arbeitgeber zu bleiben, sagte Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh der Zeitschrift „Mitbestimmung“. „Dazu gehört auch die Versorgung mit Wohnraum.“ Rund 500 Wohnungen sollen in den kommenden fünf Jahren in Wolfsburg gebaut werden. 110 Millionen Euro hat VW in die Modernisierung seiner bestehenden rund 9500 ehemaligen Werkswohnungen gesteckt, die noch zu einem Drittel von Beschäftigten bewohnt werden – der Rest ist frei am Markt vermietet. Jedes Jahr sollen 25 Millionen Euro in die weitere Instandhaltung fließen.

Firma versorgt Kranke

Die Hardy Schmitz GmbH, ein mittelständischer Großhandel für Elektrotechnik und Systemdienstleistungen mit Hauptsitz in Rheine, bietet seinen 300 Mitarbeitern seit Dezember 2012 eine private Krankenzusatzversicherung an – mit diversen Vorsorgeleistungen und der Kostenerstattung bei stationären Krankenhausbehandlungen. Die Firma, die mit dem Versicherer Axa kooperiert, ist nach eigenen Angaben einer der ersten Arbeitgeber, der eine betriebliche Krankenversorgung für alle Mitarbeiter eingeführt hat. Dies nicht nur als reiner Wohltäter: Hardy Schmitz erhofft sich dadurch geringere Fehlzeiten, eine einfachere Personalverwaltung – und Bewerbungen von Fachkräften.

Smartphones für Azubis

Besonders das Handwerk klagt über einen dramatischen Fachkräftemangel. Laut Handwerkskammern waren Ende vergangenen Jahres 15 000 Lehrstellen nicht besetzt, ähnlich dürfte die Situation 2013 sein. Das Münchener Ludwig-Fröhler-Institut hat unlängst untersucht, welche „monetären Anreize“ Handwerksbetriebe bieten können, um junge Menschen für einen Handwerksberuf zu begeistern – neben beruflichen Aus- und Weiterbildungsangeboten oder einem guten Betriebsklima. Die Handwerksunternehmen zeigen dabei einigen Einfallsreichtum. Neben Sondervergütungen („Begrüßungsgeld“) von bis zu 1000 Euro für ausgelernte Fachkräfte bieten einige Betriebe höhere Stundenlöhne, Auslandsaufenthalte oder Fremdsprachenkurse. Auch Monats- oder Jahreskarte fürs örtliche Schwimmbad oder ein Fitnessstudio sowie Dienstwagen, die privat genutzt werden dürfen, sind im Handwerk keine Seltenheit mehr. Geldprämien für gute Noten oder ein iPhone als privat nutzbares Dienst- handy funktionieren ebenfalls als Köder, um gute Bewerber davon abzuhalten, zur Konkurrenz zu gehen.

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