Wirtschaft : Westdeutsche Konjunktur im Oktober leicht rückläufig

TSP

In Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt veröffentlicht der Tagesspiegel einmal im Monat eine Konjunkturkolumne und wirft einen Blick auf die aktuelle Wirtschaftslage.

In Westdeutschland löst die Binnennachfrage die Exportnachfrage nur zögerlich ab.Das wiederum bremst die gesamtwirtschaftliche Produktion.Aus diesem Grund ist der Handelsblatt-Frühindikator für Westdeutschland im Oktober auf 2,3 Prozent gefallen, nachdem er im Vormonat 2,6 Prozent betragen hatte.Erstmals seit längerer Zeit unterschreitet der aktuelle Frühindikator damit sein entsprechendes Vorjahresniveau: Im Oktober 1997 hatte der Indikator bei 2,8 Prozent gelegen.

Wesentlich für den Rückgang war das Geschäftsklima im westdeutschen Verarbeitenden Gewerbe.Es hat sich weiter verschlechtert: Die Auftragseingänge sind im letzten halben Jahr im großen und ganzen stagniert.Dabei dürften die wachsenden Unsicherheiten über die Weltkonjunktur und über die deutsche Wirtschaftspolitik eine wesentliche Rolle gespielt haben.Vielleicht waren die westdeutschen Unternehmer auch über ihr schlechtes Geschäft im August besorgt: Die von der Ifo befragten Unternehmen berichteten in diesem Monat von starken Einbrüchen in der Produktion und bei den Auftragseingängen.

Ermutigend für die westdeutsche Geschäftslage ist allerdings die anziehende Nachfrage nach Investitionsgütern aus dem Inland.Das weiterhin sehr niedrige Zinsniveau wird die Investitionen in Ausrüstungen und Bauten darüber hinaus stimulieren.Hoffnungsvoll sind außerdem sichtbare Erholungstendenzen im Einzelhandel und im Baugewerbe.Die Nachfrage im Tiefbau und im Nichtwohnungsbau hat im Juli am stärksten zugelegt.

Das Handelsblatt-Konjunkturbarometer für Ostdeutschland ist im September dagegen weiter gestiegen.Gegenüber dem Vormonat hat es um 0,3 Prozentpunkte zugelegt.Seit März ist das Barometer damit ständig nach oben geklettert.

Diese günstige wirtschaftliche Entwicklung hat ein starker Nachfrageschub im Verarbeitenden Gewerbe ausgelöst - im Gegensatz zu Westdeutschland hat sich das Geschäftsklima in dem ostdeutschen Zweig im August erholt.Nach der eher verhaltenen Nachfrageentwicklung im zweiten Quartal diesen Jahres scheint der Aufschwung in der ostdeutschen Industrie somit neue Kraft zu gewinnen.Zwar haben besonders Großaufträge aus dem Ausland diesen Impuls ausgelöst, der vor allem dem Verbrauchssektor zugute kam.Dennoch: Es geht auch in anderen Industriezweigen aufwärts.Und das deutet eine Erholung der Konjunktur auf breiter Basis an.

Im Baugewerbe haben die Aufträge ebenfalls zugenommen, besonders im Wohnungsbausektor.Ausgerechnet dieses Sorgenkind der deutschen Wirtschaft hat im Juli ein Wachstum von 17 Prozent verbucht.Die Bauaufträge lagen insgesamt um 3,5 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Das bessere Geschäftsklima der ostdeutschen Industrie im August hat die Konjunktur ebenfalls angekurbelt.Hinzu kommt, daß sich die Situation im ostdeutschen Einzelhandel zu stabilisieren scheint.Die Konjunktur in den neuen Ländern festigt sich demnach also.

Lediglich die Exporterwartungen der ostdeutschen Unternehmen sind inzwischen merklich schlechter geworden.Das aber kann angesichts der derzeitigen Turbulenzen verursacht durch die Finanzkrisen niemanden verwundern.

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