Wirtschaft : Wichtiger Etappensieg für Microsoft

Trotz positivem Gerichtsentscheid geht das Zittern um Windows 98 weiter / Pünktlicher Verkaufsstart gefährdet PALO ALTO/BERLIN ((ruk/HB/dw)).Der Software-Gigant Microsoft hat im Streit um das kurz vor der Auslieferung stehende Betriebssystem Windows 98 eine wichtige Hürde genommen.Ein US-Gericht hob Beschränkungen auf, die der Auslieferung im Wege standen.Microsoft hatte gedroht, eine weitere Verzögerung des Programms könne in der US-Wirtschaft Umsätze von rund 15 Mrd.Dollar gefährden.Berliner Computer- und Softwarehändler erwarten von der Windows-98-Einführung Umsatzsteigerungen von bis zu 15 Prozent.Für Microsoft war die Entscheidung des Berufungsgerichtes ein wichtiger Zwischenerfolg: Die Integration des Internetbrowsers Explorer in das Betriebssstem Windows ist nicht von vornherein zu beanstanden.Die Auslieferung von Windows 98 an die PC-Hersteller, mit der an diesem Freitag begonnen werden soll, ist jedoch durch angekündigte neue Kartellklagen einiger US-Bundesstaaten sowie durch eine weitere Aktion von Sun Microsystems schon wieder bedroht.Microsoft wird vorgeworfen, seine Dominanz bei den Betriebssystemen (Windows) dazu zu nutzen, auch auf dem Markt für Internet-Zugangsprogramme (Browser) eine führende Stellung zu erlangen.Windows 98 sollte nach dem Fahrplan von Microsoft in dieser Woche zur Vorinstallation an die Industrie abgegeben werden und ab 25.Juni im Handel erhältlich sein.Ein Berufungsgericht in der US-Bundeshauptstadt entschied am Dienstag, daß die einstweilige Verfügung vom 11.Dezember 1997 bezüglich der Verknüpfung von Explorer mit Windows 95 nicht für die Auslieferung des Nachfolge-Betriebssystems Windows 98 gelte.Microsoft sprach nach Bekanntwerden des Urteils von einer "sehr bedeutsamen" Entscheidung.Zuvor hatte hatte Microsoft-Finanzchef Greg Maffei davor gewarnt, daß eine weitere Verzögerung von Windows 98 die US-Wirtschaft schwer schädigen würde.Betroffen wären alle Bereiche der PC-Branche bis hin zum Einzelhändler.Maffei wies darauf hin, daß die Informationstechnik-Branche in den letzten fünf Jahren ein Drittel des realen US-Wirtschaftswachstums erbracht habe und heute rund acht Prozent des Bruttoinlandsproduktes repräsentiere.Eine weitere Blockade des neuen Windows-Programms, das weltweit die überragende Mehrzahl der Personalcomputer steuert, könne allein in den USA einen Umsatz von 15 Mrd.Dollar gefährden.Trotz des Urteils vom Dienstag: Ein endgültiger Spruch in der vom US-Justizministerium angestrengten Klage ist bisher noch nicht erfolgt.Ungeachtet des Entscheids des Berufungsgerichtes erwarten Industriebeobachter daher, daß eine Reihe US-Bundesstaaten und eventuell auch das US-Justizministerium noch am Donnerstag oder Freitag eine erweiterte Kartellklage gegen Windows 98 einbringen werden.Die Generalstaatsanwälte vom 13 Bundesstaaten sollen in einer Konferenzschaltung bereits eine Klageerweiterung vorbereitet haben.Insgesamt sollen 31 Staaten diesen Schritt erwägen.Als Anführer der Bewegung gelten die Staaten Connecticut, Massachusetts, Texas, New York und Florida.Dem Vernehmen nach ist Texas aus dieser Gruppe wieder ausgeschert und scheint von einer möglichen Klage zurücktreten zu wollen.Einer Reihe von dort ansässigen Lizenznehmern von Microsoft sei es gelungen, ihren Einfluß auf Generalstaatsanwalt Dan Morales geltend zu machen und Vorbehalte gegen eine mögliche Klage vorzubringen.In Texas sitzen mit Compaq und Dell zwei bedeutende PC-Hersteller, die beide als bedeutende Vertreter des "Wintel"-Lagers gelten.Parallel zum Explorer-Streit hat ebenfalls am Dienstag Sun Microsystems vor einem kalifornischen Gericht eine Verfügung beantragt, die Microsoft verpflichten soll, Windows 98 nur mit einer kompatiblen Version der Java-Software von Sun auszuliefern.Die Programmiersprache Java hat die Eigenschaft, von Betriebssystemen verschiedener Hersteller "verstanden" zu werden und damit in besonderem Maße für Internet-Anwendungen geeignet zu sein.Sun hatte Microsoft im Oktober 1997 wegen Vertragsbruchs verklagt, weil Microsoft im Explorer 4.0 Java soweit verändert habe, daß es nicht mehr kompatibel sei.Der Berliner Computer- und Softwarehandel erwartet von der Einführung von Windows 98 eine starke Geschäftsbelebung in den sonst umsatzschwachen Sommermonaten.Einige Händler sprachen von einem zusätzlichen Verkaufsplus von gut 15 Prozent in den ersten vier Wochen nach der Markteinführung."Wir erwarten dieselben Zuwächse wie nach der Windows 95-Einführung - nur über einen längeren Zeitraum verteilt", sagte Michael Tappeser, Mitglied der Geschäftsleitung beim Berliner Software-Händler Logibyte.Vorteil des Programms: Es sei noch schneller und "absturzsicherer" als die Vorgängerversion Windows 95.Das neue Programm bringe zudem ein Imagegewinn für verwandte Produkte der Informationstechnologie mit sich: "Die Windows-Einführung ist Werbung für die gesamte Branche", so Tappeser: "da werden wieder Zeitungen und Medien über den Computermarkt berichten, die das sonst nur während der CeBit tun." Logibyte mache in Einzel- und Versandhandel rund 15 Prozent seines Umsatzes von etwa 45 Mill.DM mit Windows-Software."Ich sehe das Produkt Windows 98 noch stärker als Windows 95", sagt Christian Zimmermann, von Berliner Elektrohandelskette Wegert/ProMarkt.So werde Microsoft noch stärker auf das Marketing setzen, als bei der Windows 95- Einführung vor drei Jahren.Bereits vor Wochen wurden erste, abgespeckte "Beta-Versionen" massenweise über das Internet verschickt.

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