Wirtschaft : Wie Anleger mit zwei Nullen Geld verdienen können

UDO RETTBERG (MAIN HB)

Der Jahrtausendwechsel wird die Computerwelt ins Chaos stürzen / Anleger können mit "Millennium-Aktien" davon profitierenVON UDO RETTBERG (MAIN/HB) FRANKFURT.Nichts wird unmöglich sein: Neugeborene werden Rentenbescheide erhalten, Telefonrechnungen werden über Millionenbeträge lauten, Menschen werden in Aufzügen gefangen gehalten, Flugzeuge werden von ihrem Kurs abkommen und Personalcomputer-Systeme werden verrückt spielen.Diese Horrorvisionen eines weltweiten digitalen Chaos können beim Übergang von diesem in das nächste Jahrtausend durchaus zur Realität werden.Wenn die Uhren bei der Milleniums-Umstellung zum Jahresende 1999 auf das Jahr 2000 umspringen, kann in den globalen Informationssystemen das totale Chaos einsetzen.Denn die meisten der weltweit eingesetzten Software-Programme wurden wegen der noch vor einigen Jahren knappen Speicherkapazitäten lediglich mit zweistelligen Jahresangaben ausgestattet.Wenn aus der Zahl "99" in knapp 20 Monaten dann über Nacht die "00" wird, werden die Computer nicht von sich aus in der Lage sein, zu erkennen, daß es sich um den Beginn eines neuen Jahrtausends handelt.Es sei denn, dem Computer wurde dies rechtzeitig zuvor über eine neue Software expressis verbis mitgeteilt.Unternehmen, die die Gefahr vermeiden wollen, daß ihr Computer zur Jahrtausendwende eine Subtraktion "00 minus 99" durchführt und dabei zu dem falschen Ergebnis "minus 99" anstelle des richtigen Resultats "plus 1" kommt, sind gezwungen, heute entsprechende Vorarbeit zu leisten beziehungsweise durch Softwarehäuser leisten zu lassen.Allein in den USA der auf technologischem Gebiet eindeutig am weitesten fortgeschrittenen Volkswirtschaft soll aufgrund der durch die Lösung des "Y2K"-Problems verlorengehenden volkswirtschaftlichen Leistung ein Schaden in Höhe von rund 120 Mrd.Dollar entstehen.Die Analysten von Standard & Poors gehen davon aus, daß das Wachstum der US-Wirtschaft im Jahr 1999 allein aufgrund des "Nullen-Problems" um 0,3 Prozent geringer ausfallen wird.In den Jahren 2000 und 2001 rechnen die Analysten sogar mit einer Wachstumsminderung um jeweils 0,5 Prozent.Zusammen würde dies in etwa dem volkswirtschaftlichen Schaden der Asienkrise entsprechen.Kein Wunder also, daß Unternehmen, Organisationen und Behörden in aller Welt nach Lösungen suchen.Softwarehäuser können sich über einen Mangel an Arbeit nicht beklagen.Am Arbeitsmarkt ist der immense Bedarf an guten Informatikern kaum mehr zu decken.Börsianer haben das in der Lösung dieses Problems für die Softwarehäuser liegende Potential bereits seit geraumer Zeit erkannt: Der vom auf diesem Gebiet führenden Unternehmensberater Peter de Jager zusammengestellte und von der American Stock Exchange (Amex) laufend berechnete Aktienindex "Jager Year 2000 Index" war von seinem Tief von 212,56 am 20.März 1997 bis zum 2.April dieses Jahres auf das seitherige Hoch von 464,37 in die Höhe geschossen.Im Zuge der jüngsten Kurskorrektur war es dann allerdings zu einer markanten Korrektur auf zuletzt nur noch rund 423 Punkte gekommen.Nach dieser Korrektur raten einige Analysten zum gezielten Einstieg in diesen Sektor.Da die auf diesem Gebiet tätigen Software-Unternehmen weltweit ein allerdings zeitlich begrenztes riesiges Potential vorfinden, gehen Analysten davon aus, daß es zu positiven Gewinnüberraschungen kommen wird.Weil es sich bei den auf diesem Gebiet tätigen Unternehmen in der Regel nicht gerade um Software-Giganten handelt, ist der Informationsfluß für die Anleger hierzulande als eher spärlich zu bezeichnen.Der Jager-Index umfaßt zwanzig US-Unternehmen: Alydaar Software, American Management System, Analyst International, Ciber Inc., Computer Associates, Computer Horizon, Computer Science, Compuware Corp., Data Dimensions, Electronic Data Systems, EMC Corp., Information Management Res., Intersolv, Keane Inc., Mercury Interactive, Peoplesoft, Platinum Technology, Sterling Software, Unisys und Viasoft.Ein von Bloomberg entwickelter "2000er-Index" wurde mit 37 Aktien noch breiter gefaßt.In Kommentaren von Finanzhäusern tauchen zudem immer wieder die Namen von Dun & Bradstreet und Zitel Corp.auf.Auch das Softwarehaus StarBase Corp.fand zuletzt Erwähnung, nachdem es in den vergangenen Tagen in mehreren Städten der Vereinigten Staaten Seminare zu diesem Thema abgehalten hat.Wertpapier-Analysten amerikanischer Brokerhäuser raten dazu, sich bei Investments in diesem Bereich auf die Aktien jener Unternehmen zu konzentrieren, die sich nicht nur des 2000er-Problems annehmen, sondern vielmehr als Allround-Softwarehäuser auch in einigen Jahren noch am Markt sein werden, wenn das Millennium-Problem längst in Vergessenheit geraten ist.So spricht Mercedes Sanchez, Wertpapier-Analystin von Raymond James & Associates, für die Aktie der in Fusionsverhandlungen mit The Summit Group stehenden Ciber Inc.eine Kaufempfehlung aus.Für Richard X.Bove, Bank-Analyst dieses Brokerhauses, stellt die Aktie von Electronic Data Systems (EDS) eine interessante Kaufgelegenheit dar.Diese Gesellschaft ist der Finanzdienstleistungsbranche bei der Bewältigung des 2000er-Problems behilflich.Gerade für Banken stellt die Bewältigung dieses heiklen und sehr sensiblen Themas eine echte Herausforderung dar.

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