Wirtschaft : Wie Hedgefonds profitieren

Berlin - Es ist einer der größten Coups an der Börse, den es je gegeben hat. Der erst seit einem Jahr existierende kleine kalifornische Hedgefonds Lahde Capital aus Santa Monica soll nach einem Bericht der „Financial Times“ in diesem Jahr 1000 Prozent Gewinn gemacht haben – obwohl die US-Kreditkrise die Weltbörsen erschüttert. Mit der gleichen Strategie erzielte der größere Hedgefonds Paulson & Co. in New York zwölf Milliarden Dollar Gewinn. Die beiden Fonds stehen an der Spitze einer Gruppe von Investoren, die die amerikanische Immobilienkrise clever genutzt haben. Insgesamt 20 Milliarden Dollar sollen sie verdient haben.

Dabei haben John Paulson und Andrew Lahde das Gegenteil von dem getan, was alle anderen Banken und Fonds in der Finanzkrise taten. Die große Mehrheit hatte im sogenannten Subprime-Markt investiert, also verbriefte Hypothekenkredite mit niedrigster Bonität gekauft. Wie in allen Finanzmärkten kann man auch in diesem Markt auf fallende Kurse setzen – „short gehen“, sagen die Börsianer. Investoren profitieren dabei von fallenden Kursen, indem sie ein Wertpapier „leer verkaufen“ – sie leihen sich das Papier, verkaufen es, um es später wieder zu einem niedrigeren Kurs zurückzukaufen und an den Verleiher zurückzugeben.

Geahnt hatten viele, dass die Spekulationsblase irgendwann platzen würde. Doch die Hedgefonds passten den richtigen Zeitpunkt ab. Ein Händler aus Paulsons Team behauptete sogar, der Deal sei nicht besonders riskant gewesen. Andrew Lahde hat den Profit inzwischen an die Anleger des Fonds ausgezahlt und einen neuen Fonds aufgelegt, der es auf Kredite guter Bonität abgesehen hat. Für den Finanzmarkt sieht er schwarz: „Unser derzeitiges Bankensystem ist ein komplettes Desaster. Meiner Meinung nach wären alle größeren Banken pleite, wenn sie ihre Werte am Markt bewerten müssten.“ os

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