Wirtschaft : Windige Angebote von der Hausbank

Niemand wird einen 50-Mark-Schein gegen 46 Mark tauschen. Genau dies blüht aber Aktionären, die auf das so genannte Abfindungsangebot von Vector Enterprises eingehen: Anfang Mai verschickten die Volksbanken in Dransfeld, Nürnberg und Frankfurt an Besitzer von Aktien des Internetanbieters America Online (AOL) eine "Depotinformation": Bis zum 18. Mai biete Vector 53 Dollar je AOL-Aktie. Die AOL-Aktien wurden am Dienstagabend in New York aber mit 57,81 Dollar gehandelt. Möglicherweise wurde das Schreiben über wesentlich mehr Niederlassungen der Gruppe verteilt, denn die Weitergabe erfolgte Bankmitarbeitern zufolge zentral.

Windige Angebote dieser Art sind keine Seltenheit. Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), hält sie für Bauernfängerei. Auf den ersten Blick wirkten sie seriös, weil sie als Abfindungsangebot von der eigenen Hausbank übermittelt würden. "Für den einen oder anderen unbedarften Anleger könnte das schon eine Gefahrenquelle sein", sagt er. Einige US-Firmen fingen jetzt verstärkt in Deutschland an, nach wirklich großen Werten wie AOL, Cisco oder Intel zu fragen. Wer eine solche Offerte erhalte oder sogar seine Aktien verkauft habe, könne nicht auf die Hilfe der Justiz hoffen, sagt Kurz. Jeder dürfe einem Aktionär ein Angebot für dessen Wertpapierbesitz unterbreiten. Die Unternehmen machten sich erst strafbar, wenn das Angebot Falschinformationen enthalte. Udo Fenchel, Sprecher des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, betont, die Banken seien verpflichtet, ihre Kunden über Aktienangebote zu informieren. Rechtlich gebe es keinen Ansatzpunkt, Meldungen zurückzuhalten. Fenchel rät Anlegern, die Offerten sorgfältig zu prüfen.

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