WINDKRAFT AUF HOHER SEE Ein gigantischer Markt erwacht : Viel Puste

Sie haben lange gezögert: Aber in diesen Tagen stellen Stromkonzerne die ersten Windräder in der Nordsee auf

Kevin Hoffmann
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Berlin - Vergangenes Wochenende kamen sie per Schiff aus Norwegen in Wilhelmshaven an: drei Dreibein-Ständer, sogenannte Tripods, jeder 40 Meter hoch und 700 Tonnen schwer. Es sind die Sockel für die ersten drei von insgesamt zwölf Windrädern, die die Stromkonzerne Vattenfall, RWE und EWE 45 Kilometer nördlich der Insel Borkum aufstellen wollen. „Wir sondieren stündlich die Wetterlage. Es kann jederzeit losgehen“, sagt Lutz Wiese, Sprecher von „Alpha Ventus“. So heißt das Gemeinschaftsprojekt. Das Versenken der Tripods ist der inoffizielle Startschuss für die Offshore-Windkraft in Deutschland.

24 Parks mit rund 1200 Anlagen in Nord- und Ostsee hat das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg genehmigt. Bis jetzt wurde noch kein Park gebaut, es stehen nur zwei Räder im flachen Wasser an der Küste. Dass es im großen Stil losgeht, ermöglicht der Steuerzahler: Im Juli beschloss der Bundestag die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Es garantiert Produzenten von Strom aus Offshore-Windkraft, dass sie in den ersten Jahren 15 Cent je eingespeister Kilowattstunde erhalten. Erst diese hohe Subvention dürfte die bisher trägen Stromkonzerne dazu bringen, anspruchsvolle Hochseeprojekte umzusetzen. Die Fördersätze für Windräder an Land werden dagegen gesenkt.

Bundesregierung und Windkraftbranche legen große Hoffnungen auf die Kraft aus dem Meereswind: „Bis 2020 ist es möglich, 10 000 Megawatt Windkapazität auf See und 45 000 Megawatt an Land zu installieren. Damit kann rund ein Viertel des deutschen Stromverbrauchs gedeckt werden“, schätzt Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie.

Schon heute liefern die installierten Windräder in manchen Stunden mehr Strom als die Atommeiler, die gemeinsam 2007 im Schnitt 16 000 Megawatt Leistung brachten. Stundenweise. Doch was ist, wenn Flaute herrscht? Für Fantasien, wonach Windräder zu Land und im Meer die Atomkraftwerke überflüssig machen, ist es noch zu früh. Doch auch die konservativen Stromkonzerne entdecken jetzt das gigantische Potenzial: RWE und EnBW kündigten in den letzten Wochen an, sich jeweils mit rund drei Milliarden Euro in Windparks einzukaufen. Kevin Hoffmann

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