Wirtschaft : „Wir bieten ein ganz schwaches Bild“

Prozesse, schnelle Sprüche, Missmanagement: In der Finanzwelt wächst der Druck auf die Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann und Rolf Breuer

Daniel Rhee-Piening

Josef Ackermann und Rolf Breuer, die beiden führenden Köpfe der Deutschen Bank, stehen vor Gericht. Der Vorstandssprecher wegen seiner Zustimmung zu Prämien in Höhe von 55 Millionen Euro anlässlich der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone, Breuer wegen seiner Äußerungen über die mangelnde Kreditwürdigkeit Leo Kirchs. Dass sich führende Banker mit Gerichten auseinander setzen müssen, hat es in dieser Häufung bislang nicht gegeben.

Auch bei den Bankern fällt dies auf. „Was wir im Moment abliefern“, sagt ein Banker selbstkritisch, „ist ein ganz schwaches Bild“. Die Suche nach Erklärungen, insbesondere für das Verhalten von Breuer, hat begonnen. Angefangen habe dies ja mit „Peanuts“, dem Unwort des Jahres 1994, das der damalige Deutsche Bank-Chef Hilmar Kopper anlässlich der Schneider-Affäre in den Sprachgebrauch eingeführt hatte. Der heutige Aufsichtsratschef Breuer zeige mit seinen Aussagen zu Kirch doch wieder einmal, dass man im Management der Deutsche Bank die Bodenhaftung etwas verloren habe, heißt es bei der Konkurrenz. Die Äußerungen Breuers seien keineswegs ein Lapsus, sondern eiskaltes Kalkül gewesen. „Hier wollte jemand zeigen, wie mächtig er ist“, sagt ein Führungsmitglied einer anderen großen deutschen Bank.

Verheerende Wirkung

Breuer fällt nicht zum ersten Mal wegen seiner schnellen Zunge auf. Ende Oktober 1998 hatte er laut „Spiegel“ in einem Interview gesagt, die Deutsche Bank führe bezüglich des Hauses Bankers Trust „keine Übernahmegespräche“. Doch etwa vier Wochen später gab die Deutsche Bank die Übernahme bekannt – woraufhin sie 58 Millionen Dollar als Entschädigung an US-Aktionäre zahlen musste, die Breuer geglaubt hatten.

Breuer habe auch als Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken vorsichtiger agieren müssen. Schon seine Anregung, die Zinssenkung der Europäischen Zentralbank nicht an die Kunden weiterzugeben, sei „verheerend gewesen“, heißt es in der Branche. Die Verunsicherung bei Kreditnehmern sei groß, und mancher Mittelständler überlege sich, die Bank zu wechseln, wird kolportiert. Kein Zweifel: Man ist sauer auf Rolf Breuer, aber seinen Rücktritt mag noch niemand offen fordern – es fehlt ein Alternativkandidat.

Deutlicher wird Hans-Peter Schwintowski, Bankenprofessor an der Berliner Humboldt-Universität. Wenn Ackermann und Breuer schuldhaft gehandelt haben, sollten sie zurücktreten, sagt Schwintowski. Doch zugleich räumt er ein: „Ob sie das haben, dazu fehlen mir Informationen.“ Schwintowski stellt aber auch die Frage, ob die Beispiele Mannesmann und Kirch nicht zeigten, dass Bankchefs gern Prinzipien verletzten, wenn es um große Dimensionen gehe.

Auch Wolfgang Gerke, Professor für Bankwirtschaft an der Universität Erlangen, verweist auf die Dimension und spricht von „unglücklichen Umständen“. Mannesmann und Kirch seien zwei spektakuläre Fälle, da komme es auch zu spektakulären Meinungsäußerungen. Die deutschen Banker hätten ihr Auftreten in der Öffentlichkeit nicht grundsätzlich geändert, aber „in turbulenten Zeiten passiert eben mehr“, sagt Gerke. Der Experte meint, auch die Vorwürfe gegen ihre Spitze müsse die Deutsche Bank aushalten. „Ackermann ist ein Hoffnungsträger, der kann nicht einfach abtreten.“

Allerdings hat auch das Image des Hoffnungsträgers Ackermann Kratzer bekommen. Seine Kritik an der deutschen Regierungspolitik wird von Kollegen als problematisch eingestuft. Bei dem jüngsten Treffen im Kanzleramt soll Ackermann mit Kanzler Gerhard Schröder (SPD) heftig aneinander geraten sein. Seine Hinweise auf die anderen Gepflogenheiten in seiner Schweizer Heimat kommentiert man in Gewerkschaftskreisen mit den Worten: „Ackermann sollte langsam in Deutschland ankommen.“

Doch Ackermann ist noch nicht verurteilt, darauf verweist auch Bankenprofessor Gerke. Und auch im Falle der Schadenersatzklage gegen Breuer sei noch nicht das letzte Wort gesprochen. Gerke hält die Äußerungen von Breuer für „unakzeptabel“. Auch Gerke unterstellt dem Aufsichtsratschef kühle Berechnung. „Breuer wusste, dass es sich bei dem Bloomberg-Interview nicht um ein Kaffeestündchen handelt, und hat deshalb bewusst im Grenzbereich formuliert.“ Bei der zuständigen Gewerkschaft Verdi herrscht indes Funkstille zu den Äußerungen. Nicht ohne Grund: Die Arbeitnehmervertreter sorgen sich um ihre Jobs – denn unterhalb der Führungsebene der Deutschen Bank wird kräftig Personal abgebaut.

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