Wirtschaft : "Wir müssen uns besser nach außen verkaufen"

Werner Gegenbauer ist der neue IHK-Präsident

Berlin.Er ist gegen die Gewerbekapitalsteuer, für mehr Bezirksnähe, gegen die zahlreich parallel nebeneinander arbeitenden Fördergesellschaften und vor allem für eine engagierte betriebliche Ausbildung: seit Mittwoch ist der Mittelständler und Dienstleister Werner Gegenbauer neuer Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Berlin (IHK).Gegenbauer, der zum sechsten Präsidenten der IHK gewählt wurde, erklärte gegenüber dem Tagesspiegel, die Lehrstellenfrage zu einem Schwerpunkt seiner Arbeit zu machen.Derzeit zählt die IHK insgesamt 3800 Ausbildungsbetriebe.Durch intensive Bemühungen, Firmenbesuche und -gespräche der Kammer konnten in den vergangenen zwei Jahren 800 neue ausbildende Firmen hinzugewonnen werden.Diese intensive Ansprache soll in den kommenden Wochen, bevor das neue Ausbildungsjahr im Herbst beginnt, noch verstärkt werden. Als Berliner Dienstleistungs-Unternehmer und Vorsitzender der Tarifkommission für die Gebäudereiniger-Innung kennt der 47jährige Firmenchef das Thema der beruflichen Ausbildung aus den verschiedensten Perspektiven.Im eigenen Unternehmen Gegenbauer werden übrigens 140 junge Menschen im handwerklichen Bereich ausgebildet - immerhin 100 mehr als noch im Wendejahr 1989.Insgesamt beschäftigt die Firma, die nach wie vor ihren Sitz in Berlin hat, deren kaufmännische Verwaltung aberseit August 1996 im Norden Berlins, im brandenburgischen Birkenwerder, angesiedelt ist, 10 000 Mitarbeiter; davon aber nur 800 im handwerklichen Bereich.Für den 47jährigen Gegenbauer ist vor allem auch die hohe Abbrecherquote, je nach Branche zwischen 20 und 30 Prozent, ein besonderes Problem.Eine Ausbildungsabgabe freilich lehnt auch er ab. Als aktiver Unternehmer wird Gegenbauer allerdings nur an zwei Tagen die Woche Zeit für sein neues Amt haben.Dabei setzt er auf die Unterstützung im zwölfköpfigen Präsidium, dem unter anderem Siemens-Vorstand Wolfram O.Martinsen, Manfred Gentz von Daimler-Benz und Ulrich Misgeld von der Berliner Volksbank angehören.Auch die Kammer, sagt er, müsse sich stärker ihrer Aussenwirkung bewußt werden.Vor allem wolle man der Zweistufigkeit der Berliner Verwaltung künftig besser Rechnung tragen und Arbeit in den Bezirken leisten.Bereits mit der im vergangenen Jahr eingerichteten sogenannten "task force" unter dem ehemaligen Chef-Wirtschaftsförderer, Wirtschaftsstaatssekretär und DIW-Mitarbeiter Hans Heuer hat die IHK dem Bedürfnis vieler Unternehmer nach Hilfestellung im Umgang mit den Behörden entsprochen.Wer immer Probleme mit der Verwaltung hat, ist hier gut aufgehoben.Vieles aber, was die IHK für ihre 130 000 Mitgliedsfirmen tut, ist nicht jedem bekannt, meint Gegenbauer.Auch das soll sich ändern.Außerdem will er sich dafür einsetzen, daß es in der Stadt künftig weniger Förderinstitutionen gibt.Das zahlreiche Nebeneinander kann nicht gut sein.

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