Wirtschaft : „Wir sitzen in der Loge und schauen uns das Schauspiel an“

Bauer-Sprecher Fritzenkötter über den Ausstieg aus dem Kirch-Bieterverfahren und über eine Rückkehr an den Verhandlungstisch

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ANDREAS

FRITZENKÖTTER

ist Sprecher

der Verlagsgruppe Bauer in Hamburg.

Foto: Ullstein

Was war der Anlass, weshalb sich Bauer am Dienstagnachmittag entschlossen hat, aus dem Bieterverfahren auszusteigen?

Es gab eine Entwicklung. Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir nicht bereit sind, uns an einem BieterWettstreit zu beteiligen. Doch das Verfahren hat sich zu einer Art Auktion entwickelt, in der die Bieter wechselseitig die Preise hochtreiben sollen.

Als es darum ging, hat Saban Ende 2002 kein Angebot abgegeben. Es hieß, es würde mit Bauer nun exklusiv verhandelt. Wie kommt es, dass er doch wieder ins Spiel kam?

Das müssen Sie den Kirch-Geschäftsführer Ziems fragen. Saban hat nun ein Angebot vorgelegt, und nun steht er eben als alleiniger Bieter für die Insolvenzverwaltung da.

Unter welchen Umständen wäre Bauer bereit, die Verhandlungen wieder aufzunehmen?

Über die Konditionen will ich nicht spekulieren. Wir sind kein Bieter mehr. Grundsätzlich haben wir aber weiter Interesse an Pro Sieben Sat 1 und dem Filmrechtehandel. Wenn die Insolvenzverwaltung auf uns zugeht und sagt, wir wollen wieder mit euch reden, sind wir gesprächsbereit und prüfen, ob sich das Verfahren so geändert hat, dass wir wieder einsteigen.

Hätten Sie dann noch Verhandlungsspielraum, wären Sie zu Kompromissen bereit?

Diese Frage stellt sich für uns zurzeit nicht. Wir sitzen in der Loge und schauen uns das Schauspiel an. Auf der Bühne sind wir nicht.

Sie warten, bis die Insovenzverwalter die Initiative ergreifen.

Nein, wir warten nicht. Wir sitzen.

Sollten Sie auf die Bühne zurückkehren – wären Sie bereit, als Zugeständnis ans Kartellamt die RTL-2-Beteiligung zu verkaufen?

Das steht nicht zur Debatte, da im Moment keine Notwendigkeit dazu besteht. Wir haben nie in Abrede gestellt, dass es kartellrechtliche Fragen zu klären gilt. Und wir waren dabei, mehrere Optionen zu verhandeln, wie das Problem zu lösen ist.

Insolvenzverwalter Michael Jaffé soll gesagt haben, Bauer würde am liebsten auch über das Klopapier für die Toiletten verhandeln.

Wenn das Verhandeln über das Klopapier zum Ergebnis hat, dass wir für die Zukunft der Senderfamilie und des Rechtehandels ein solides, dauerhaftes Geschäftsmodell vorstellen, dann lohnt sich auch diese Verhandlung.

Das Gespräch führte Ulrike Simon.

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