Wirtschaft : "Wir wollen ein sehr gutes Ergebnis"

BERLIN (pt/HB).Auf gutem Weg sieht der Vorsitzende der Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) Hubertus Schmoldt das Bündnis für Arbeit nach der zweiten Gesprächsrunde beim Kanzler am vergangenen Donnerstag."Wenn man bedenkt, daß im Vorfeld verschiedene Vertreter der Wirtschaft versucht haben, das Bündnis platzen zu lassen, sehe ich es schon als einen Riesenerfolg an, daß sich alle Teilnehmer darauf verständigt haben, die Arbeit konstruktiv fortzusetzen," erklärte Schmoldt im Gespräch dem Handelsblatt.

Fast zwei Stunden hätten die Teilnehmer darüber diskutiert, ob die gemeinsame Kraftanstrengung überhaupt sinnvoll ist."Immerhin wissen doch alle, wir Gewerkschaftsvertreter genauso wie die Arbeitgeber, daß bei den nun bevorstehenden Verabredungen alle Seiten Zugeständnisse machen müssen." Er verstehe die Kritiker im Arbeitgeberlager nicht, die meinten, bei der zweiten Runde sei nichts herausgekommen."Ist das nichts, daß nun die weiteren steuerpolitischen Schritte der Bundesregierung von der Unternehmensteuerreform über die Neuordnung der Familienbesteuerung bis zur Ökosteuer und den weiteren Schritten bei der Einkommensteuerreform im Bündnis verabredet werden?" Es könne doch niemandem entgangen sein, daß die Gewerkschaften am Anfang dagegen gewesen seien, die Bündnisrunde überhaupt mit Steuerfragen zu befassen.

Auf der Habenseite der Bündnisrunde verbucht Schmoldt die Bereitschaft der Wirtschaft, ihre Anstrengungen bei der Berufsausbildung noch einmal zu verstärken und über den demographisch bedingten Anstieg der Bewerberzahlen hinaus Ausbildungsplätze anzubieten.Schmoldt erinnert an seinen Vorschlag, Jugendlichen, die keine betriebliche Ausbildungsstelle bekommen können, Ausbildungsverträge für drei Jahre anzubieten, innerhalb derer sie zwischen verschiedenen Ausbildungsmodulen wählen können.Diese Module müßten bestimmte Qualitätskriterien erfüllen, aber auch den besonderen Neigungen und Fähigkeiten der Betroffenen entsprechen.

Was die von der Wirtschaft in den vergangenen Tagen so heftig kritisierte Lohnpolitik anbelange, "bleiben wir dabei, daß der Bündnistisch nicht der Ort ist, an dem Lohnleitlinien vereinbart werden." Auch die von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt geforderte Konsultationspflicht vor Arbeitskämpfen lehnte Schmoldt ab.Die Tarifpolitik dürfe gleichwohl bei zukünftigen Gesprächen nicht ausgeklammert werden, fügte er hinzu."Wir brauchen grundsätzliche Vereinbarungen darüber, welche Parameter bei zukünftigen Lohnrunden berücksichtigt werden müssen." Einer dieser Parameter sei die Produktivitätsentwicklung."Und da wird man darüber reden müssen, ob sie angesichts der Arbeitsmarktlage bei der Lohnerhöhung voll ausgeschöpft werden kann oder nicht." Der zweite Parameter sei die Inflationsentwicklung.

Die IG BCE selbst habe 1998 einen Tarifabschluß unterzeichnet, der mit einer 1,1prozentigen Einmalzahlung, die Betriebe in schwieriger Lage nicht zahlen mußten, der unterschiedlichen Lage der Unternehmen in der chemischen Industrie Rechnung getragen habe."Ich weiß nicht, ob wir auch in diesem Jahr ein solches Verhandlungsergebnis haben werden." Er wolle den regionalen Verhandlungspartnern nicht vorgreifen.Die IG BCE habe aber in der Vergangenheit unter Beweis gestellt, daß sie zur notwendigen Differenzierung des Flächentarifs bereit und in der Lage sei.

Schmoldt verteidigte die Empfehlung des IG-BCE-Hauptvorstandes an die regionalen Tarifkommissionen, bei den im Frühjahr beginnenden Verhandlungen 5,5 Prozent zu fordern."Wir glauben, daß diese Ausgangsforderung der Wirtschaftslage der Branche gerecht wird.Die derzeitige Eintrübung der Konjunktur ändert daran nichts."

1998 hat die IG BCE in der Chemie Lohnerhöhungen im Gesamtvolumen von drei Prozent abgeschlossen.Eines sei gewiß: "Unsere Mitglieder haben die Erwartung, daß es auch in diesem Jahr ein sehr gutes Verhandlungsergebnis gibt", sagte der Gewerkschaftschef.

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