Wirtschaftsstandort : Berlin hat Zukunft

Eine Studie zeigt: Die Region Berlin liegt bei wichtigen Branchen vorn. Besonders stark ist die Gesundheitswirtschaft.

Katrin Terpitz
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High-Tech in der Klinik. Im Gesundheitsbereich - hier im Bild ein Positronen-Emissions-Tomograf - arbeiten in der Hauptstadt...Foto: dpa

Düsseldorf Berlin zählt in Deutschland zu den Regionen mit den besten Zukunftschancen. Dies zeigt der neue Zukunftsatlas, den das Schweizer Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos im Auftrag des „Handelsblatts“ erarbeitet hat. Unter den bundesweit führenden 25 Regionen mit aussichtsreichen Branchen belegte Berlin nach Hamburg den zweiten Platz, gefolgt von München auf Rang drei.

Der „Zukunftsatlas Branchen 2009“ zeigt, welche Standorte künftig zu den wettbewerbsstärksten Regionen zählen. Prognos hatte alle 413 Kreise und kreisfreien Städte auf Branchen mit Potenzial untersucht. Dabei filterten die Wissenschaftler insgesamt sieben zukunftsträchtige Wirtschaftszweige heraus, die über die momentane Krise hinaus langfristig Wachstumschancen besitzen. Anhand der Entwicklung der Beschäftigtenzahlen in diesen Branchen berechnete Prognos die jeweilige Stärke der einzelnen Regionen.

Berlin erwies sich in der Studie als Spitzenregion: In fünf der sieben Zukunftsfelder ist Berlin sehr stark. Den ersten Platz belegt die Hauptstadtregion in der Gesundheitswirtschaft. Rund 102 000 Menschen sind hier beschäftigt, das macht bundesweit einen Anteil von 4,5 Prozent. Auch bei hochwertigen Unternehmens- und Forschungsdienstleistungen ist die Hauptstadt führend und erreicht Rang zwei vor Hamburg. Weitere Zukunftsfelder, auf denen Berlin punkten konnte, sind die Logistik (Rang vier), die Informations- und Kommunikationstechnologie (Rang sechs) und die Mess-, Steuer- und Regeltechnik (Rang 12). Nur im Fahrzeugbau und im Maschinenbau belegen andere Regionen die Spitzenplätze.

Insgesamt sind 301 000 Berliner in einem der sieben Zukunftsfelder beschäftigt, mehr als in jeder anderen Region. Mit 3,8 Prozent der bundesweit in den Zukunftsbranchen Beschäftigten stammen überdurchschnittlich viele aus der Hauptstadt (Hamburg: 3,5 Prozent). Dass besonders die Großstädte in der Studie gut abschnitten, ist kein Zufall. Wichtig für wissens- und technologieintensive Firmenballungen sei vor allem die Nähe zu Hochschulen und Forschungsinstituten, erklärt Rolf Sternberg, Professor für Wirtschaftsgeografie an der Universität Hannover. Und die sind in den Metropolen wie Berlin konzentriert anzutreffen. Die Thinktanks ermöglichen den nötigen Wissenstransfer und sorgen für den unabdingbaren Nachschub an qualifiziertem Personal. „In den Metropolen konzentrieren sich die Innovationstreiber“, sagt Prognos-Chef Böllhoff.

Doch auch die vermeintliche Provinz hat Zukunft. Etliche kleine, aber feine Branchenstandorte wie Biberach, Esslingen, Tuttlingen oder der Rhein-Neckar-Kreis konnten sich unter den Top 20 der insgesamt 413 Kreise und kreisfreien Städte platzieren. Das Schwabenland ist Deutschlands Spitzenregion für Zukunftscluster. Hier ist vor allem der Maschinenbau und die Gesundheitswirtschaft stark. Viele kleine und mittelständische Betriebe – oft familiengeführt – haben sich in ihrer Nische zu Weltmarktführern („Hidden Champions“) emporgearbeitet. Ihnen räumt Prognos nach der Krise beste Zukunftschancen ein. Längst haben sich auch in diesen eher ländlichen Regionen Hochschulen angesiedelt, die für den Nachwuchs der Betriebe vor Ort sorgen.

Insgesamt ist im Zukunftsatlas ein Nord-Süd-Gefälle zu sehen. Während Bayern und Baden-Württemberg sehr stark sind, hinkt der Osten Deutschlands hinterher. 20 Jahre nach der Mauerfall ragt dort abgesehen von Berlin nur noch Dresden als Leuchtturm hervor. „Traditionsreiche einstige Cluster wie Leipzig, Zwickau, Jena oder Chemnitz kristallisieren sich erst langsam wieder heraus“, beobachtet Prognos-Experte Peter Kaiser. Ansonsten sind gerade im Nordosten Deutschlands viele weiße Flecken auf dem Zukunftsatlas zu sehen. (HB)

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