Wirtschaftswachstum : Berlin abgehängt

Eine schwache industrielle Basis und die Krise am Bau lassen die Hauptstadt im Deutschlandvergleich weiter hinterherhinken. Trotzdem könnte die Arbeitslosenzahl sinken.

BerlinDas Wachstum in Berlin schwächt sich ab und wird auch in diesem Jahr deutlich unter dem deutschen Gesamtniveau bleiben. Anlässlich der Vorlage des jüngsten Quartalberichts der Senatsverwaltung für Wirtschaft bemühte sich Senator Harald Wolf (Linke) am Montag um Optimismus. Weil die Stimmung in den Unternehmen gut sei, halte er die prognostizierte Wachstumsrate von 1,7 Prozent „für erreichbar“. In Deutschland insgesamt werden dagegen 2,6 Prozent erwartet. Dass Berlin nach wie vor nicht den Anschluss findet, hängt vor allem mit der schwachen industriellen Basis und der Krise am Bau zusammen. So gingen in der Industrie im ersten Halbjahr weitere Arbeitsplätze verloren.

Im Quartalsbericht der Verwaltung heißt es, der Rückgang in Berlin beruhe „vor allem auf dem Abbau von Arbeitsplätzen im Maschinenbau (minus 505), im Fahrzeugbau (minus 312) sowie im Ernährungsgewerbe und in der Tabakverarbeitung (minus 304)“. Zusätzliche Stellen, nämlich 928, gab es dagegen in der Elektrotechnik. „Insgesamt arbeiteten im Juni 2007 in den Industriebetrieben mit 50 und mehr Beschäftigten rund 83.100 Personen; dies waren rund 900 weniger als im Juni 2006.“ Bei 1,57 Millionen Erwerbstätigen ist der Anteil der Industriearbeiter damit relativ gering. Seit Anfang der 90er Jahre hat die Stadt mehr als 120 000 Industriestellen verloren.

Die Schwäche der Berliner Industrie hängt auch mit dem geringen Exportanteil zusammen. „Da nach wie vor lediglich ein Drittel der Umsätze im Ausland erwirtschaftet wird, schlägt sich die positive Entwicklung dort jedoch nur abgeschwächt in der Gesamtwachstumsrate der Umsätze nieder.“

Einzelhandel überdurchschnittlich

 Trotz dieser Entwicklung gibt es in diesem Jahr Positives vom Arbeitsmarkt zu berichten. So stieg die Zahl der Erwerbstätigen wegen der Zuwächse in Dienstleistungsbereichen allein im ersten Quartal um rund 35.000 auf mehr als 1,57 Millionen und damit auf „die höchste Zahl zu Beginn eines Jahres seit dem Jahr 2000“. Entsprechend gab es weniger Arbeitslose: 262.300 (minus 31.100) Berliner waren im August ohne Arbeit. Auf dem Bau ging es dagegen weiter bergab, zuletzt waren nur noch 17.300 (minus 900) Berliner im Bauhauptgewerbe beschäftigt. Alles in allem liegt Berlin mit einer Arbeitslosenquote von 15,6 Prozent derzeit an drittletzter Stelle der Bundesländer. Eine leicht höhere Arbeitslosigkeit gibt es nur in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Auf Platz eins liegt Baden-Württemberg mit einer Arbeitslosenquote von 4,9 Prozent.

Besser als in Deutschland insgesamt schnitt der Berliner Einzelhandel im ersten Halbjahr ab, der reale Umsatz stieg leicht an. Allerdings gab es deutliche Verluste „im Facheinzelhandel mit Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren“ sowie in Kfz-Werkstätten. Besonders stark unter der Erhöhung der Mehrwertsteuer litt die Gastronomie, deren Umsatz um fünf Prozent fiel. Die Auslastung der Hotels und Pensionen blieb dagegen unverändert.

Wirtschaftssenator Harald Wolf betonte angesichts der neuesten Daten die Bedeutung des privaten Verbrauchs, der schwach sei und unter anderem durch die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns gestützt werden könne. (alf)

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