Wirtschaft : Wo ist Schrempp?

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Von Alfons Frese

Sein Lebenswerk kracht zusammen, doch der Architekt der WeltAG ist verschwunden. Fürs Abducken und Warmduschen ist Jürgen Schrempp bislang nicht bekannt. Aber warum muss dann der Daimler-Chrysler-Finanzvorstand der Presse den Ausstieg bei Mitsubishi erklären? Alle Welt orakelt rum, was nun werden wird – kommt auch Chrysler weg, geht die Allianz mit Hyundai kaputt, wird Smart zum Mitsubishi-Ersatz ausgebaut? Die Antworten kennt vielleicht Schrempp. Aber der ist verschwunden.

Unterdessen hat das misslungene Mitsubishi-Engagement den ersten Prominenten den Job gekostet. Rolf Eckrodt, der frühere Adtranz-Chef und seit dreieinhalb Jahren als Sanierer an der Mitsubishi-Spitze im Auftrag Schrempps unterwegs, ist zurückgetreten. Das ist eine zwingende Konsequenz aus dem Rückzug Daimlers bei Mitsubishi. Aber Eckrodt geht ausgerechnet an dem Tag, an dem Nissan-Chef Carlos Ghosn einen Rekordgewinn meldet. Bei ihm hat die Sanierung grandios geklappt, bei Mitsubishi nicht. Offenbar hat sich Schrempp das falsche Unternehmen ausgesucht. Und womöglich hat er den falschen Spitzenmann nach Tokio geschickt.

Kann alles sein. Das muss in den Konzerngremien sauber analysiert werden. Für Lamentieren ist keine Zeit. Eine neue Strategie muss her. Vor allem für Asien. Vielleicht findet Schrempp die ja wirklich in China. Schließlich ist er dieser Tage in Peking gesichtet worden. Auch dort gibt es viel zu tun. Im letzten Jahr verkaufte Mercedes dort 9000 Autos, BMW doppelt so viele und Audi sogar 60000. Die Dynamik auf dem heißesten Automarkt der Welt geht bisher an Daimler-Chrysler eher vorbei. Hoffentlich bringt Schrempp seinen Aufsichtsräten zur Sitzung am kommenden Donnerstag etwas mit nach New York. Eine Lösung für Asien zum Beispiel. In jedem Fall wird Schrempp wieder auftauchen. Und kämpfen.

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