Wirtschaft : Wo sind all die Lokführer hin? Bundesweit verschärft sich der Fachkräftemangel

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Auf Tauchstation. Deutschland sucht überall Fachkräfte – meist vergeblich. Foto: dapd
Auf Tauchstation. Deutschland sucht überall Fachkräfte – meist vergeblich. Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Der Fachkräftemangel in Deutschland hat sich deutlich verschärft: Neben akademischen Berufen wie Ärzte, IT-Systemanalytiker oder Ingenieure fehlen laut Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) auch handwerkliche Berufe in der Energietechnik, der Klempnerei, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie in der Altenpflege. Und am meisten gesucht werden Lokomotivführer.

Offiziell spricht die BA noch von „Engpässen“ in einzelnen Branchen. Intern aber gehen Arbeitsagenturen von einem Mangel aus. Die statistische Grundlage dafür ist die sogenannte Vakanzzeit. Das ist die Zeitspanne zwischen dem Besetzungswunschtermin des gemeldeten Unternehmens bis zur tatsächlichen Besetzung. Im Durchschnitt betrug 2012 diese Spanne 80 Tage, im Vergleich zum Vorjahr waren dies 13 Tage mehr. Nach der sogenannten Engpassanalyse von Dezember 2012 blieben freie Stellen für Lokführer 184 Tage unbesetzt – so viele wie in keiner anderen Branche. Human- und Zahnmediziner kommen auf 174 Vakanztage, gefolgt von „Servicekräften im Personenverkehr“.

In Deutschland sind laut Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) zurzeit 27 000 Lokomotivführer beschäftigt. 800 Stellen sind nicht besetzt. Trotz inzwischen besserer Bezahlung und Anwerbekampagnen hat die Deutsche Bahn offenbar Probleme, Jobanwärter für den Mangelberuf zu bekommen.

Der Fachkräfteengpass wird kontinuierlich steigen: Eine McKinsey-Studie rechnet mit zwei Millionen fehlenden Fachkräften bis 2020. Und das Prognos-Institut sieht bis 2030 eine „Fachkräftelücke“ von 5,2 Millionen Personen, darunter 2,4 Millionen Akademiker und 600 000 Geringqualifizierte.

Die BA fordert eine stärkere Begleitung von Jugendlichen beim Berufseinstieg, um Ausbildungsabbrüche zu verhindern. Aber auch immer mehr Studierende brechen das Studium ab, der Anteil liegt bei 20 bis 30 Prozent. Als Motive nennen Abbrecher Leistungsprobleme, gefolgt von finanziellen Problemen und mangelnder Motivation.

Die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) fordert neben stärkerer Qualifizierung des Nachwuchses auch eine bessere Willkommenskultur für ausländische Fachkräfte und bessere Kinderbetreuung. Die Bundesregierung hat 2011 ein Fachkräftekonzept beschlossen, das nun weiterentwickelt werden soll. Es soll dabei helfen, Familie und Beruf besser zu vereinbaren, Bildungschancen zu verbessern und inländische Potenziale zu aktivieren. Experten fordern jedoch, dass zusätzlich auch die Zuwanderung qualitativ gesteuert wird.Sabine Beikler

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