Wohnen statt Gewerbe : Büros sind in Berlin weniger gefragt

100.000 Quadratmeter Bürofläche weniger vermieteten Berliner Makler 2013. In zentralen Lagen könnten Büros wegen der großen Nachfrage zu Wohnungen werden.

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Der Kreisel. 119 Meter Höhe, 27 Stockwerke, erbaut: von 1968 bis 1980. Einst befand sich dort ein Kiez mit Kino, ins Bürohaus zog das Bezirksamt – und verließ es 2007. Der Kreisel steht seitdem leer.Fotos: Thilo Rückeis
Der Kreisel. 119 Meter Höhe, 27 Stockwerke, erbaut: von 1968 bis 1980. Einst befand sich dort ein Kiez mit Kino, ins Bürohaus zog...

Wer etwas über den Zustand der Berliner Wirtschaft erfahren will, der sollte sich die Jahresbilanz der Vermittler von Büroflächen anhören. Aengevelt zählt zu den profilierten von ihnen und meldet für das Jahr 2013 rund 490.000 Quadratmeter vermieteter Büroflächen – 100.000 Quadratmeter weniger als im Vorjahr. Das ist kein wirklich dramatischer Rückgang, liegt das Ergebnis doch im langjährigen Durchschnitt.

Nicht eine Großvermietung von mehr als 10.000 Quadratmeter

Dass aber nicht eine Großvermietung von mehr als 10.000 Quadratmeter darunter war, zeigt: Berlins überdurchschnittliches Wachstum (1,4 Prozent) ist getragen von kleinen und mittelgroßen Firmen, unter denen das IT-Unternehmen Idealo schon ein großes ist. Das hat in diesem Jahr in der Kreuzberger Ritterstraße den berlinweit größten Gewerbemietvertrag über 10.000 Quadratmeter unterschrieben für 13,50 Euro je Quadratmeter und Monat.

Viele Gewerbemieter zieht es raus aus der City

Und es ist nicht der einzige Gewerbemieter, den es an den Rand der City zieht, weil Flächen dort günstiger sind – und an finanzstarken Mietern fehlt es der Stadt. Außerdem sind in den besten City-Lagen Wohnungen so teuer, dass sie jedenfalls das Preisniveau günstiger Gewerbemieten erreicht haben.

Deshalb schließt Wulff Aengevelt nicht aus, dass beispielsweise am Kurfürstendamm früher in Büros, Praxisräume oder Kanzleien umgewandelte Wohnungen wieder zu ihrer ursprünglichen Nutzung zurückfinden.

Investors Liebling sind die Wohnimmobilien

Zumal es mit 1,4 Millionen Quadratmeter leer stehender Büroflächen genug andere Gewerberäume gibt, wovon indes „nur“ 431.000 Quadratmeter sofort zu marktüblichen Preisen zu haben seien. Hinzu kommt, dass Gewerbeimmobilien die Investorenphantasie (Umsatz: 3,68 Milliarden Euro) weit weniger beflügeln als Wohnobjekte (8,67 Milliarden Euro).

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