Wohnungsmarkt : Makler belohnt Tipp-Geber

Wohnungen und Häuser, die zum Verkauf stehen, sind rar. Auf einer Internet-Plattform können Berliner jetzt Hinweise geben - und 40 Prozent der Courtage als Prämie kassieren.

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Engpass. Viele Makler bekommen nicht genug Wohnungen oder Häuser zum Verkauf angeboten.
Engpass. Viele Makler bekommen nicht genug Wohnungen oder Häuser zum Verkauf angeboten.Foto: dpa

Die große Nachfrage nach Immobilien in deutschen Großstädten macht nicht nur Wohnungssuchende kreativ. Auch Maklerfirmen, die vom Vertrieb der Eigentumswohnungen und Häuser bisher gut gelebt haben, bedienen sich ungewöhnlicher Methoden, um an das knappe Angebot zu kommen.

Auch im Immobilienteil des Tagesspiegels finden sich immer häufiger Anzeigen wie diese: „Wannsee, Babelsberg, Kleinmachnow, Stein Immobilien sucht für solvente Kunden Wohnungen/Häuser.“ In den Schaufenstern einiger Berliner Makler wurden bereits Aushänge gesichtet, auf denen Prämien von 1000 bis 2000 Euro für Hinweise auf zu verkaufende Immobilien ausgelobt werden.

„Der Markt an guten Immobilien ist zurzeit wie leergefegt“, sagt der Hamburger Unternehmer Friedhelm Osada. „Der Nachfrageboom hat in den letzten Monaten auch in Berlin dazu geführt, dass kaum noch Objekte im Angebot und die Preise explodiert sind.“

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1 von 1Grafik: Tsp
28.02.2012 15:10

Der Wohneigentumsreport des Beratungsunternehmens Bulwien Gesa und der Maklerfirma Ziegert bestätigt dies: Stiegen die Preise für neue Eigentumswohnungen in Berlin im vergangenen Jahr im Schnitt um zwölf Prozent, gab es in einigen Bezirken Ausreißer nach oben – 35 Prozent in Lichtenberg und Dahlem, 36 Prozent in Neukölln, 42 Prozent in Tempelhof, 60 Prozent in Treptow.

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Selbst für erfahrene Makler wird es offenbar immer schwieriger, ins – zumeist sehr gute – Geschäft zu kommen. Mit einem ungewöhnlichen Online-Angebot versucht nun Friedhelm Osada, Geschäftsführer der Hamburger Maklerfirma Dolce Villa Real Estate, auch in Berlin aus der Not eine Tugend zu machen. Auf www.makellos-berlin.de können Tippgeber, die den Makler auf eine zu verkaufende Immobilie in der Nachbarschaft oder im Freundeskreis hinweisen, bei einer erfolgreichen Vermittlung an der Makler-Courtage teilhaben. Auch wenn der Tipp-Geber einen Kaufinteressenten benennt und das Unternehmen an diesen ein Objekt vermittelt, erhält der Tipp-Geber eine Prämie. „Dolce Villa gibt rund 40 Prozent ihrer eigenen Provision weiter“, sagt Osada.

Das kann sich durchaus lohnen: Melde jemand eine Immobilie, die veräußert werden soll, an die Plattform und vermittele Dolce Villa diese zum Beispiel für 300 000 Euro, erhalte der Tipp-Geber eine Prämie von 6000 Euro. „Dolce Villa garantiert eine durchgehende Transparenz, erteilt eine schriftliche Zahlungszusage bei Erfolg und hält den Tippgeber auf dem Laufenden“, versichert Osada.

In Hamburg (www.makelloshamburg.de) hat der Unternehmer das Geschäftsmodell bereits erfolgreich umgesetzt. Aus bislang 82 Tipps wurden fünf notariell beurkundete Immobilienverkäufe, für die Dolce Villa insgesamt 27 000 Euro an Tipp-Geber zahlte.

Aus Hamburg stammt auch eine Initiative zur Reform der Makler-Vergütung auf dem Mietwohnungsmarkt. So hatte die Hansestadt im vergangenen Jahr angekündigt, im Bundesrat durchsetzen zu wollen, dass die Maklergebühr künftig nicht von den Wohnungssuchenden, sondern von den Vermietern gezahlt werden muss. Unterstützt wird der Vorstoß von der SPD im Bundestagswahlkampf: Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sagte am Mittwoch in Hannover, die Maklerkosten sollten nicht länger dem wohnungssuchenden Mieter aufgebürdet werden.

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