Wirtschaft : Wolken am Konjunkturhimmel

Industrie verzeichnet weniger Auslandsaufträge / Asienkrise schwer kalkulierbar

Einmal im Monat veröffentlicht der Tagesspiegel eine Konjunkturkolumne.Abgestimmt mit dem Handelsblatt, das Prognose-Instrumente für West- und Ostdeutschland entwickelt hat, werfen wir einen Blick auf die gesamtdeutsche Wirtschaftslage. Die Aussichten über die Wirtschaftsentwicklung verschlechtern sich wenig.Der Handelsblatt-Frühindikator hat Anfang des Jahres weiter nachgegeben und ist um 0,3 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent gesunken.Damit liegt er noch immer um einen Prozentpunkt höher als vor Jahresfrist.Der Indikator zeigt früh konjunkturelle Wendepunkte an, in dem er fünf verschiedene Einzelindikatoren gewichtet und der gesamtwirtschaftlichen Produktion um ein Vierteljahr vorauseilt.So signalisiert er saisonbereinigte Trends des realen Bruttoinlandsprodukts. Die starke Abschwächung hat verschiedene Gründe.Trotz des flotten Exports ist die Inlandskonjunktur nicht angesprungen; vielmehr liegt der private Konsum weiter in der Flaute, und die Nachfrage nach Wohnungen schrumpft trotz niedriger Zinsen.Vor allem entscheidend war allerdings, daß sich das Verarbeitende Gewerbe enttäuschend entwickelt hat.Nachdem die Auslandsnachfrage schon im September saisonbereinigt nur stagniert hatte, ist sie im Oktober sogar um 3,7 Prozent gegenüber dem Vormonat zurückgegangen; am stärksten betroffen waren die Hersteller von Investitionsgütern.Ob damit die Exportnachfrage mehr als nur eine Pause macht, ist offen. Kurzzeitige Rückschläge sind nicht ungewöhnlich, allerdings hat die Mark wieder an Wert gewonnen, schreibt die Bundesbank in ihrem jüngsten Monatsbericht.Das kann Folgen haben, weil die abgewertete Mark im vergangenen Sommer die Ausfuhren beflügelt hatte.Zudem könnte der Export noch durch die Asienkrise beeinträchtigt werden, falls sie sich weiter ausbreitet. Dagegen gibt es keinen Beleg dafür, daß sich die Inlandsnachfrage festigt.Die hiesigen Bestellungen im westdeutschen Verarbeitenden Gewerbe sind im Oktober zwar um 2,7 Prozent gestiegen, aber haben damit nur den Rückgang vom Vormonat wettgemacht.Nimmt man Inlands- und Auslandsnachfrage zusammen, dann stagnierte das Bestellniveau im Oktober.Ihre aktuelle Geschäftslage beurteilten die Unternehmer im November nach Angaben des Münchener Ifo-Instituts dennoch unverändert gut, in die Zukunft blicken sie aber sehr skeptisch.Dennoch ist die Stimmung insgesamt positiv. Anders im Einzelhandel.Laut Ifo sank sie im November auf ein neues Tief.Auf das Jahr gesehen dürften die Einzelhandelsumsätze erneut geschrumpft sein, zumal auch das Weihnachtsgeschäft nicht so gut lief.Der private Verbrauch wird sich laut Bundesbank erst erholen, wenn die Investitionen steigen und neue Jobs entstehen.Die Baubranche beschert wenig Hoffnung.Es wurden zwar mehr neue Gebäude genehmigt, aber von einer Trendwende ist die Branche weit entfernt; besonders der Wohnungsbau schwächt sich weiter ab.Ein Lichtblick sind nur die langfristigen Zinsen.Der Fibor ­ das ist der Durchschnittszins der Banken, zu dem sie bereit sind, den Unternehmen Geld zu leihen ­ kletterte im November zwar um 0,16 Prozentpunkte auf 3,74 Prozent; dafür verharrte die durchschnittliche Umlaufrendite für festverzinsliche Wertpapiere bei 5,3 Prozent. Im Osten legt die Konjunktur nur verhalten zu.Das Handelsblatt-Konjunkturbarometer für die neuen Länder ist im Dezember um 0,1 Prozentpunkte auf 7,8 Prozent gestiegen.Das Ostbarometer funktioniert ähnlich wie der Frühindikator, allerdings sind die Indikatoren anders gestaltet und gewichtet.Die Rezession auf den ostdeutschen Baustellen setzte sich im Oktober weiter fort.Überraschend schwach entwickelte sich auch die Nachfrage im Verarbeitenden Gewerbe, jedenfalls nach den saisonbereinigten Zahlen der Deutschen Bundesbank.Ohne Ausreißer-Werte dürften die Auftragseingänge im letzten halben Jahr saisonbereinigt stagniert haben, allerdings sind die entsprechenden Statistiken etwas unsicher. So ist denn das Geschäftsklima weiterhin gut, wie die Ifo-Experten schreiben.Ihre aktuelle Lage beurteilten die Unternehmer im November etwas schlechter als im Vormonat, aber in die Zukunft blicken sie weiter optimistisch.Im ostdeutschen Einzelhandel trübte sich dagegen das Klima im November weiter ein, wenngleich die Zukunft optimistischer gesehen wird.

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