Wirtschaft : Worauf es bei Computermäusen ankommt

Bei der Beurteilung einer Computermaus kommt es auf drei Merkmale an: Geschwindigkeit, Präzision und Komfort. (27.06.2005, 10:54 Uhr)

München/Hannover - An ihre Namensgeber erinnern sie nur noch selten. Denn nur in einfachen Ausführungen kommen Computermäuse noch mausgrau und mit Kabelschwanz daher. Die elektronischen Nager, die die Entwicklung von grafischen Bildschirmoberflächen erst ermöglicht haben, tragen heute Schwarz oder Rot. Die Funktechnik hat sie von der Leine gelassen, und mit bloß zwei Tasten und ohne Scrollrad landen sie im Abseits. Doch wer braucht eine Maus mit acht Tasten oder eine 3D-Space Maus für 390 Euro?

Bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit einer Computermaus komme es auf drei Merkmale an, erklärt Katja Schleicher, Pressesprecherin von Logitech in München: «Geschwindigkeit, Präzision und Komfort.» Technisch wird zwischen mechanischen, optischen und Lasermäusen unterschieden. Während bei mechanischen Mäusen Richtung und Geschwindigkeit der Bewegung über eine Gummikugel und Walzen in ein elektrisches Signal umgewandelt wird, tastet bei einer optischen Maus ein Fotosensor mit Hilfe einer Leuchtdiode unaufhörlich die Oberfläche ab. Aus den Veränderungen zwischen den jeweiligen Bildern werden dann Richtung und Geschwindigkeit ermittelt.

«Mechanische Mäuse sind unpräziser als optische Mäuse», sagt Schleicher. Zudem seien Letztere nicht schmutzanfällig, weil sich eben keine beweglichen Bauteile mehr in der Maus befinden. Die altbekannte Spielwiese für die Maus - das Mousepad - werde daher auch nicht mehr benötigt. Völlig gleich ist einer optischen Maus aber dennoch nicht, auf welchem Geläuf sie sich bewegt: «Auf manchen Oberflächen funktionieren sie nicht einwandfrei», erklärt Jaroslav Smycek, Computerexperte der Verbraucherzentrale Niedersachsen in Hannover. Vor allem spiegelnde Oberflächen wie Glas können die Optik der Maus verwirren.

Problemlos mit jedem Untergrund soll dagegen eine neue Mausgeneration klar kommen, wie sie Logitech mit der MX1000 im vergangenen Jahr auf den Markt gebracht hat: Mit Hilfe eines Lasers werden hier die Positionsveränderungen registriert. Dies soll zudem ein Höchstmaß an Genauigkeit bringen: «Eine Lasermaus ist 20 Mal präziser als eine optische Maus», sagt Logitech-Sprecherin Schleicher. Wer beispielsweise versucht, mit einem Grafikprogramm wie Paint - unter Zubehör auf dem Windows-Desktop zu finden - per Maus einen Kreis zu zeichnen, könne den Unterschied sofort erkennen.

Mehr Bedienkomfort versprechen Mäuse, an denen kein Kabel zerrt: Beim Kauf einer solchen kabellosen Maus sollte nach Ansicht von Verbraucherschützer Jaroslav Smycek die Frage der Stromversorgung bedacht werden. Die Sendestation, mit der die Maus über Infrarot- oder Funkverbindung in Kontakt steht, sollte möglichst eine Ladeschale haben, in der die Akkus der Maus - wie bei einem schnurlosen Telefon - aufgeladen werde können. «Sonst wechselt man vergleichsweise häufig die Batterien.»

Doch nicht für alle Anwendungen kann auf ein Kabel verzichtet werden: Mit der Razer Diamondback hat der Zubehörhersteller Jöllenbeck in Weertzen (Niedersachsen) zum Beispiel eine Kabelmaus im Programm, die sich speziell an Spieler richtet: «Durch die Kabelverbindung ist sie sehr anspruchsfreudig», erläutert Sprecherin Kathrin Bachmann. Das heißt, die Bewegungen werden bei Kabelmäusen einen Tick schneller übertragen als bei Funkmäusen. Darauf komme es bei High-End-Spielern eben an. Hinzu kommt, dass die Razer Diamondback mit einer Auflösung von 1600 dpi für eine optische Maus sehr präzise ist.

Je nach Spiel oder Anwendungsprogramm kann auch eine Acht-Tasten-Maus von Vorteil sein: Denn die Tasten kann der Nutzer nach eigenem Gusto mit Funktionen belegen, ohne dafür ständig zur Tastatur greifen zu müssen. Wer die Hand während der Arbeit am Rechner lieber an einer Stelle ruhen lässt, wird vielleicht mit einem Trackball glücklicher: Die Hand ruht auf dem ergonomisch geformten Steuerelement, während die Finger den Zeiger auf dem Bildschirm bewegen.

Prinzipielle Unterschiede bei Geschwindigkeit und Präzision gibt es laut Logitech-Sprecherin Katja Schleicher nicht: «Die Entscheidung zwischen Maus und Trackball ist eher philosophischer Natur.» Keine Ansichtssache, sondern berufliche Notwendigkeit ist in der Regel die Anschaffung einer 3D-Space-Maus, die für 390 Euro zu haben ist, elf Tasten hat und eher an ein Star-Wars-Spielzeug erinnert: «Unsere Kunden sind professionelle CAD-Konstrukteure und Spieleentwickler», erklärt Tobias Keuthen, Marketing-Manager beim Logitech-Tochterunternehmen 3Dconnexion in Seefeld bei München.

Eine räumliche Arbeitsumgebung biete viel mehr Bewegungsmöglichkeiten als eine flache Benutzeroberfläche, so Keuthen. Objekte müssen in alle drei Richtungen des Raumes geschoben, gedreht und rotiert werden. Um diese komplizierten Navigationsaufgaben zu bewältigen, sind Werkzeuge wie die Space-Maus auch nicht als Ersatz für normale Mäuse gedacht: Sie ergänzen diese und werden mit der anderen, noch freien Hand bedient. (Von Arnd Petry, dpa)

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