World Food Convention : "Essen ist ein ökologisches Problem"

Bei der World Food Convention des Tagesspiegels diskutieren Wissenschaft, Politik und Wirtschaft über die Zukunft der Welternährung.

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Kontroversen. Nicht immer waren die Panelisten am runden Tisch einer Meinung. Foto: Mike Wolff
Kontroversen. Nicht immer waren die Panelisten am runden Tisch einer Meinung.Foto: Mike Wolff

Ohne Nahrungsmittel geht die Menschheit zu Grunde, aber wenn wir die Erde weiter wie bisher bewirtschaften, ist unser Planet dem Untergang geweiht. Es ist eine einfache Botschaft, die Chefkoch Arthur Potts Dawson am Donnerstag in seiner Keynote transportiert – und damit das Auditorium in den Bolle Festsälen in Moabit begeistert. Der Brite, Neffe von Rockstar Mick Jagger und Botschafter des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen lebt in seinen Restaurants in London seit Jahren das vor, was er sich von Lebensmittelerzeugern und Konsumenten wünscht: Er wirtschaftet so nachhaltig wie möglich. Küchenabfälle wie Zwiebelschalen und dergleichen etwa landen bei Dawson nicht im Müll sondern auf dem Kompost und werden als Biodünger in den hauseigenen Nutzgärten verwendet. Entgegen dieser Haltung würden derzeit allerdings in der globalen Lebensmittelproduktion und beim Verbrauch von Nahrungsmitteln viel zu viele Rohstoffe, Zeit, Raum und Energie verschwendet – und damit die Ernährung der Weltbevölkerung gefährdet. „Essen ist ein ökologisches Problem", sagte er. "So können wir auf keinen Fall weiter machen. Wenn alle auf der Erde auch in Zukunft satt werden wollen, müssen wir unser Essverhalten ändern und dürfen nur noch so viel konsumieren, wie wir wirklich brauchen.“ Ob dies gelingt, steht und fällt nicht nur aus Sicht von Dawson mit einer drastischen Reduktion des globalen Fleischkonsums. Derzeit wird ein großer Teil der weltweiten Agrarflächen für den Anbau von Futtermitteln wie Mais und Soja genutzt. „Wir müssen aber dahin kommen, uns künftig weniger mit Fleisch und mehr mit pflanzlichen Erzeugnissen wie Gemüse zu ernähren“, forderte der Koch.

Ein Notfallfonds der Vereinten Nationen könnten akute Hungersnot lindern

Auch Deutschlands Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) verwies am Donnerstag auf die zentrale Bedeutung menschlichen Verhaltens bei der Sicherung der Ernährung. „Sie alle können dazu beitragen, nachhaltig zu konsumieren“, sagte der Minister und forderte dazu auf, vor allem nachhaltig produzierte und fair gehandelte Nahrungsmittel zu kaufen. Mit Blick auf die wachsende Weltbevölkerung und die Ressourcen der Erde sagte Müller: „Unser Planet hat das Potenzial, alle satt zu machen.“ Dennoch würden derzeit rund 800 Millionen Menschen weltweit hungern und täglich 8000 Kinder an den Folgen von Unter- und Mangelernährung sterben. Um dieses zu verhindern, sei unter anderem ein neues Krisenpräventionssystem der internationalen Staatengemeinschaft nötig. Zur Finanzierung sollten die Vereinten Nationen pro Jahr mindestens zehn Milliarden Dollar bereitstellen, forderte der Minister. Zudem bedürfe es mit Blick auf die wachsende Weltbevölkerung einer nachhaltigen Landwirtschaft, oder, wie es Müller ausdrückte, einer „grünen Revolution 2.0“. Dabei dürfe sich der künftige Anbau von Nahrungsmitteln nicht allein an deren Kaloriengehalt orientieren, sondern müsse vor allem die darin enthaltenen Nährstoffe ins Zentrum rücken. So könnten auch Algen oder Insekten einen wichtigen Beitrag zur Welternährung leisten – „auch wenn es gerade uns Mitteleuropäer vielleicht Überwindung kostet“.

Der ländliche Raum braucht Entwicklung, sagt Müller

Zudem bedürfe es einer nachhaltigen Entwicklung ländlicher Räume weltweit, die insbesondere Frauen und der Jugend den Zugang zu Lebensmitteln und die Bewirtschaftung von Land und insgesamt mehr lokale Wertschöpfung ermögliche. Angesichts der Flüchtlingsströme nach Europa vor allem aus nordafrikanischen Ländern wie Ägypten oder Tunesien forderte Minister Müller für die Zukunft einen gemeinsamen Wirtschaftsraum mit der Europäischen Union. Derzeit verhinderten insbesondere Einfuhrquoten und EU-Standards etwa den freien Import von Südfrüchten oder Gemüse wie Tomaten aus Nordafrika. „Ich hielte es aber für besser, dortige Anbieter auch auf unsere Märkte zu lassen“, sagte der Minister.

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