Wirtschaft : Württemberger will Leonberger-Mehrheit

STUTTGART/LEONBERG (ADN).Die Württembergische Versicherungsgruppe, Stuttgart, will die börsennotierte Leonberger Bausparkasse, Leonberg, mehrheitlich übernehmen.Die Gruppe kauft den 40prozentigen Anteil der Commerzbank an der Leonberger und stockt damit ihren Anteil auf 80 Prozent auf.Darauf habe sich die Württembergische Lebensversicherung AG mit der Commerzbank verständigt, teilten die Beteiligten am Mittwoch mit.

Die Württembergische hatte erst im November überraschend ihre Fusion zum 1.Januar mit der Bausparkasse Wüstenrot angekündigt.Wenn beide Hauptversammlungen der Fusion im kommenden Sommer zustimmen, umfaßt die Gruppe künftig mit Wüstenrot und Leonberger die Nummer drei und die Nummer fünf der privaten Bausparkassen.Der Übernahmepreis für die Leonberger habe sich am Börsenwert orientiert und bei rund 300 Mill.DM gelegen, hieß es.

Die Commerzbank wolle sich auf die vor einem Monat angekündigte Allfinanz-Zusammenarbeit mit dem italienischen Versicherungskonzern Generali und seiner deutschen Tochter, der Aachener und Münchener Gruppe konzentrieren.Zur Gruppe gehört auch die Bausparkasse Badenia."Für uns hätte es keinen Sinn gemacht, zwei Bausparkassen im Programm zu haben", sagte Peter Pietsch von der Commerzbank.Man werde sich auf die exklusive Kooperation mit der Badenia konzentrieren und könne nun Vertriebsvereinbarungen aufnehmen.

Der Betriebsratschef der Leonberger, Jürgen Clausen, äußerte sich besorgt über die Zukunft der 1000 Mitarbeiter bei der Leonberger.Weil Wüstenrot und die Leonberger die gleichen Vertriebsstrukturen und Zielgruppen hätten, gebe es ein hohes Potential für Synergien.Wüstenrot-Sprecher Rainer Christian Rudolf erklärte: "Welche Auswirkungen die Übernahme hat, kann noch niemand sagen."

Künftig verfügt die Württembergische über mindestens 80 Prozent der Stimmrechte an der Leonberger Bausparkasse, der Rest der Anteile befindet sich im Streubesitz.Die Leonberger Bausparkasse begrüßte die schnelle Einigung ihrer Hauptaktionäre.Die Kooperation mit der Württembergischen Versicherungsgruppe sei seit vielen Jahren bewährt.Die Kooperation mit der Commerzbank wird zum Jahresende beendet.

Die Württembergische Versicherungsgruppe läßt mit der Übernahme eine alte Verbindung aufleben.Von 1939 bis 1988 hatte der Vorgänger der Württembergischen, die Allgemeine Rentenanstalt (ARA), die Mehrheit an der Leonberger gehalten.Zudem bestehen zwischen der Württembergischen und der Leonberger Kooperationsverträge.Wüstenrot will nun die Fusion mit der Württembergischen vorrangig vorantreiben.Die Frage, inwieweit die Leonberger in den geplanten Unternehmensverbund von Württembergischer und Wüstenrot einbezogen werde, lasse sich nicht vor dem Sommer kommenden Jahres sagen.

Analysten der Bank Sal.Oppenheim werteten den Verkauf der Leonberger-Beteiligung als positiv für die Commerzbank.Die Gewinnschätzung für das Jahr 1998 erhöht Sal.Oppenheim um fünf Pfennig auf 3,50 DM je Aktie.Bei einem Kursziel von 77 DM bis Ende des Jahres 1999 empfehlen sie die Aktie der Commerzbank unverändert zum Kauf.

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