Wirtschaft : Wunderwaffe Wachstum?

Flora Wisdorff

Wenn es doch bloß endlich einmal käme – am besten in einem richtigen, großen Schub. Ein ordentliche Portion Wachstum, und der designierte Finanzminister Peer Steinbrück hätte einige Sorgen weniger. Die endlosen Diskussionen über das Anheben der Mehrwertsteuer oder das Streichen der Eigenheimzulage könnte sich die Koalition sparen. Denn Wachstum bringt dem Staat Geld – die so unangenehme und unpopuläre Spardiskussion könnte in den Hintergrund rücken. Allerdings müsste es dann schon erheblich mehr Wachstum sein, als für kommendes Jahr erwartet wird. Bundesregierung und Wirtschaftsinstitute gehen von 1,4 Prozent aus. Bei diesem Wachstum sieht die Koalition insgesamt einen Sparbedarf von 35 Milliarden Euro, um wenigstens den Europäischen Stabilitätspakt einhalten zu können. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung geht davon aus, dass 2006 ein Prozent mehr Wachstum dem Staat zehn Milliarden Euro mehr bringen würde. Davon würde der Fiskus 5,7 Milliarden bekommen, und die Sozialkassen würden um rund 4,2 Milliarden Euro entlastet – 650 Millionen für die Arbeitslosenversicherung, 1,9 Milliarden für die Rente und 1,6 Milliarden für die Krankenkassen. Um die Arbeitslosenquote nennenswert zu verändern, ist mindestens ein Wachstum von 2,5 Prozent nötig – so stiege zum Beispiel das Arbeitsvolumen um ein Prozent. Allerdings sieht es momentan nicht so aus, als ob sich das Wachstum schnell beschleunigen könnte in Deutschland. Die größten Wirtschaftsinstitute machen sich Sorgen, dass das Wachstum langfristig um ein Prozent herumdümpelt. Das heißt: Die Politiker müssen doch die strukturellen Probleme angehen – und erst mal die Voraussetzungen für mehr Wachstum schaffen.

erklärt, wie viel Geld mehr Wachstum dem Staat bringt

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