Wirtschaft : Yahoo und Microsoft greifen Google an

Börse reagiert empfindlich auf Umsatzprognosen

Corinna Visser

Berlin - Mit einem Kurssprung hat die Aktie der Internet-Suchmaschine Google auf die Veröffentlichung der ersten Quartalszahlen seit dem Börsengang reagiert. An der US-Technologiebörse Nasdaq kletterte der Kurs um fast 17 Prozent. Seit dem Börsengang im August hat sich der Aktienkurs verdoppelt.

Positive Nachrichten kommen auch von anderen Unternehmen der Internet- und Softwarebranche, die ihre Zahlen ebenfalls Donnerstagnacht nach Börsenschluss in den USA veröffentlichten: Der Internethändler Amazon verdreifachte seinen Gewinn im dritten Quartal, auch Microsoft legte ein Rekordergebnis vor. Dennoch zeigten sich die Analysten hier vor allem wegen der Ausblicke enttäuscht. Die Aktien beider Unternehmen gaben daraufhin nach.

Die drei Firmen haben sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle. Google, seit August an der Börse, ist die meistgenutzte Internet-Suchmaschine der Welt. Die Nutzung ist kostenlos, Umsätze macht Google mit dem Verkauf von Werbung auf seinen Seiten. Doch die Internetfirma Yahoo! und der Softwarekonzern Microsoft versuchen Google angesichts des lukrativen und rasant wachsenden Werbegeschäfts verstärkt Konkurrenz zu machen. Yahoo!, Nummer zwei hinter Google, hat in diesem Jahr eine eigene Suchmaschine eingeführt. Auch Microsoft entwickelt gerade eine für seinen Onlinedienst MSN. Google versucht, seinerseits etwa mit dem kostenlosen E-Mail-Dienst, „G-Mail“, neue Geschäftsfelder zu erobern und macht Microsoft mit einer kostenlosen Software, mit der man auch Daten auf dem eigenen Computer suchen und finden kann, direkte Konkurrenz.

In dem am 30. September beendeten Dreimonatsabschnitt verdiente Google 52 Millionen Dollar (41,2 Millionen Euro) gegenüber 20,4 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Quartalsumsatz erhöhte sich um 105 Prozent auf 805,9 Millionen Dollar. Mit diesen Zahlen hat Google die Analystenerwartungen übertroffen. Nach der Veröffentlichung der Zahlen legten die Aktien noch einmal kräftig zu. Mit einer Bewertung von fast 45 Milliarden Dollar ist Google an der Börse mehr als doppelt so viel wert wie die Aktien des weltgrößten Autoherstellers General Motors.

Der Softwarekonzern Microsoft hat unter anderem wegen starker Nachfrage von Geschäftskunden seinen Umsatz um zwölf Prozent auf 9,19 Milliarden Dollar (7,3 Milliarden Euro) gesteigert. Von Juli bis August 2004 verbesserte der Konzern seinen Gewinn um elf Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) und übertraf damit ebenfalls die Erwartungen der Analysten. Branchenbeobachter bemängelten jedoch, dass es aus ihrer Sicht zu lange dauern werde, bis eine neue Version des Betriebssystems Windows auf den Markt kommt. Das drückte den Kurs.

Ebenfalls negativ nahm die Börse den Ausblick des Internethändlers Amazon auf. Amazon startete im Netz mit dem Verkauf von Büchern, weitet sein Angebot aber aus. Dank eines stark wachsenden Auslandsgeschäfts und solider Zuwachsraten in Nordamerika konnte Amazon den Gewinn im dritten Quartal 2004 mit 54,1 Millionen Dollar (43 Millionen Euro) mehr als verdreifachen. Die Firma enttäuschte jedoch mit den Umsatzprognosen. Amazon veröffentlicht keine Geschäftszahlen für einzelne Länder. „Das Geschäft in Deutschland läuft ungebrochen stark“, sagte Amazon- Deutschlandchef Ralf Kleber dem Tagesspiegel. Nach aktuellen Studien kaufen in Deutschland inzwischen rund 22 Millionen Menschen online ein, „mit riesigen Zuwächsen“, sagte Kleber. „Wir profitieren davon überdurchschnittlich, weil wir ein breites Angebot haben, bei dem für alle etwas dabei ist, egal ob jung oder alt.“

Emil Heppel, Analyst der Bankgesellschaft Berlin, sieht die Aktien von Google, Amazon und Microsoft negativ. Grund sei die hohe Bewertung aller drei Papiere. „Das hindert die Aktien nicht zu steigen“, sagt Heppel. „Aber langfristig können diese Bewertungen nicht gehalten werden. Es wird ein Ernüchterungseffekt eintreten. Das Risiko hierfür ist sehr hoch.“ Wie bei Ebay müssten Anleger bei Google und Amazon sich auf abschwächende Wachstumsraten einstellen. Dies sei etwa bei Microsoft bereits der Fall. „Auch die Aktie von Microsoft ist immer noch relativ teuer, aber sie ist nicht so utopisch bewertet wie die der jungen Internetfirmen“, sagte Heppel.

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