Wirtschaft : Zitronenpresse für die Sparkassen

Kleinaktionäre der LBB werden rausgedrängt.

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Foto: dapd
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Berlin - „Das hier ist kein Dialog, es ist ein Diktat“, ruft ein Aktionär in den Raum und erntet Applaus. Es ist ein letztes Aufbäumen der Kleinaktionäre der Landesbank Berlin (LBB) auf der außerordentlichen Hauptversammlung. Die hatte am Mittwoch nur einen Punkt auf der Tagesordnung: Das Herausdrängen der letzten gut 15 000 Kleinaktionäre.

Wenige Stunden später ist klar: Die LBB gehört der Sparkassen-Finanzgruppe bald zu hundert Prozent. Wenn der sogenannte Squeeze-Out im Handelsregister eingetragen ist, soll die Bank von der Börse genommen werden. Bislang hielten die Kleinaktionäre noch 1,32 Prozent an der LBB. Selbst wenn sie geschlossen gegen die Übernahme ihrer Aktien gestimmt hätten, hätten sie keine echte  Chance gehabt. Am Ende sind 99,77 Prozent für den Squeeze-Out – der Großteil dieser Stimmen geht auf das Konto des Hauptaktionärs, der Sparkassen.

Längst nicht alle Stühle sind an diesem Mittwoch im Berliner Congress Center (BCC) besetzt. Aber die etwa 400 Kleinaktionäre, die gekommen sind, wollen ihrem Ärger Luft machen. „Wir werden hier jetzt regelrecht rausgepresst“, sagt etwa ein Aktionär. Ein anderer zieht kurz darauf eine Zitronenpresse aus der Tasche und überreicht sie Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis als Symbol für dieses „Rauspressen“. Darüber muss auch Haasis lachen. Er selbst ist bei der Hauptversammlung nur Moderator, ruft geduldig die einzelnen Kleinaktionäre auf, die ihren Widerspruch zu Protokoll geben wollen. Das Inhaltliche überlässt er LBB-Vorstandschef Johannes Evers.

„Die Hauptversammlung markiert für die Landesbank Berlin einen Übergang“, sagt der in seiner Eingangsrede. Aus einer börsennotierten Gesellschaft werde eine Bank, die vollständig im Besitz der Sparkassen sei. So soll die LBB dann auch künftig noch stärker als bisher zu einem Dienstleister für die gut 420 deutschen Sparkassen ausgebaut werden. Auch sollen nach und nach Risikopositionen im Nicht-Kundengeschäft abgebaut werden. „Alle Organisationsstrukturen stehen auf dem Prüfstand“, sagt Evers. Die angebotene Barabfindung von 4,01 Euro je Aktie hält der Vorstandschef „angesichts des Marktumfelds“ für angemessen. Für einen Großteil der Kleinaktionäre dürfte dieses Angebot jedoch Verluste bedeuten. Anlegerschützer kündigten bereits an, klagen zu wollen. Carla Neuhaus

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