Wirtschaft : Zitterpartie in der Euro-Zone

Notenbank und Politik haben den Währungsraum kräftig umgebaut, stehen aber weiter unter Handlungsdruck. Nun bereitet die Europäische Zentralbank den Kauf von Staatsanleihen vor – und in einer Woche wählen auch noch die Griechen.

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Auf und Ab. Der Euro-Kurs schwankte seit 2008 stark. Nach der Lehman-Pleite (links) brach er ein. Noch tiefer ging es bergab, als klar war, dass Griechenland Hilfe braucht. Derzeit ist es die lockere Geldpolitik, die den Kurs nach unten drückt. Am Freitag fiel er auf ein Elf-Jahrestief.
Auf und Ab. Der Euro-Kurs schwankte seit 2008 stark. Nach der Lehman-Pleite (links) brach er ein. Noch tiefer ging es bergab, als...Fotolia

VERSCHULDUNG

Die Gesamtverschuldung ist zu hoch, aber das stört Investoren nur wenig

Wenn die Griechen in einer Woche zur Parlamentswahl aufgerufen sind, werden sie nicht nur ein Votum über die Politik des Regierungschefs Antonis Samaras abgeben, sondern auch über die Vorgaben der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF). Im Gegenzug zu den Hilfen der internationalen Geldgeber mussten sich die Griechen verpflichten, ihre übermäßige Staatsverschuldung abzubauen. Blickt man allein auf die Neuverschuldung, so kann Samaras einen Erfolg vorweisen: Im vergangenen Jahr gelang es ihm, erstmals einen Primärüberschuss – also ein Plus ohne Berücksichtigung des Schuldendienstes – im Haushalt zu erwirtschaften.

Allerdings ist die Zahl, welche die Finanzmärkte vor allem interessiert, nicht die jeweilige Neuverschuldung eines Landes, sondern die Gesamtverschuldung. Und der Schuldenstand ist in Griechenland mit knapp 180 Prozent der Wirtschaftsleistung immer noch so hoch wie in keinem anderen Euro-Land. Betrachtet man die Entwicklung der Schuldenstände in den Euro-Ländern insgesamt, so fällt auf, dass die Gesamtverschuldung seit Beginn der Finanzkrise fast überall mehr oder weniger kontinuierlich gestiegen ist und inzwischen auf hohem Niveau verharrt. In Deutschland gibt es eine gegenläufige Entwicklung: Hier sinkt die Gesamtverschuldung inzwischen.

Neben Griechenland gibt vor allem die Gesamtverschuldung in Italien zu denken; sie lag im vergangenen Jahr bei 133 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Der Ökonom Tim Schwarzmüller vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) sieht darin aber kein Problem für die Kreditwürdigkeit Italiens, solange die Zinsen für die Staatsanleihen nicht wieder in die Höhe schnellen wie auf dem Höhepunkt der Euro-Krise. Anders ist die Lage in Griechenland: Hellas hat weiter Probleme, sich am Kapitalmarkt zu vertretbaren Zinssätzen zu refinanzieren.

WETTBEWERBSFÄHIGKEIT

Die Krisenstaaten legen zu, aber Frankreich und Italien hinken hinterher

Die Arbeitskosten in der Industrie, im Baubereich und bei den Dienstleistungen sind seit 2010 vor allem in Griechenland, Portugal und Irland gesunken. Im Fall Griechenlands führten die drastischen Lohnkürzungen allerdings nicht zu einer automatischen Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Nur allmählich zieht der Außenhandel in Griechenland an. Immerhin stieg das Exportvolumen im Oktober und November des vergangenen Jahres gleich in zwei Monaten hintereinander, wozu auch die Euro-Schwäche auf den Devisenmärkten beitrug. Nach Angaben der griechischen Statistikbehörde Elstat stiegen die griechischen Exporte im vergangenen November im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6,6 Prozent auf ein Volumen von 2,3 Milliarden Euro.

Weniger schleppend verläuft der Aufschwung im einstigen Euro-Krisenstaat Irland, das von jeher stark auf Exporte setzt. Hier stiegen allein die Exporte der Lebensmittel- und Getränkebranche seit dem Krisenjahr 2009 von 3,2 Milliarden Euro auf 10,5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.

Unterm Strich hat sich die Wettbewerbsfähigkeit in Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Zypern, die Kredite der internationalen Geldgeber in Anspruch nehmen mussten, seit 2010 verbessert. Anders ist die Lage in Ländern, die nicht dem Reformdruck der Troika ausgesetzt waren. „Italien und Frankreich sind die Sorgenkinder“, sagt die Ökonomin Katharina Pijnenburg vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). So stünden etwa in Frankreich noch immer weitreichende Reformen auf dem Arbeitsmarkt aus.

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