Wirtschaft : Zögern und zaudern bei der Messe Berlin

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Von Alfons Frese

Raimund Hosch muss sich vorkommen wie ein Hamster im Laufrad. Seit langem bemüht sich der Geschäftsführer der Messe Berlin um eine Teilprivatisierung des Unternehmens. Das Land Berlin als Eigentümer steht einem Verkauf zwar aufgeschlossen gegenüber. Der ständige Wechsel im Amt des Wirtschaftssenators hat aber den Entscheidungsprozess immer wieder verzögert. Und solange der Senat nicht weiß, was er will, kann Hosch die Messegesellschaft nicht wirklich zukunftsfähig machen.

Berlin hat die sechstgrößte Messegesellschaft Deutschlands. Der hiesige Markt ist geprägt von Überkapazitäten, weshalb es normalerweise einen Konsolidierungsprozess geben müsste mit Kooperationen, Übernahmen, Stilllegungen. Doch das Messewesen ist anders, weil es sich um öffentlich-rechtliche Veranstalter handelt. Grob gesagt: Jede größere Stadt leistet sich eine Messe zur Wirtschaftsförderung. Das hat bislang funktioniert: Deutschland ist das Messeland, rund zwei Drittel aller großen internationalen Veranstaltungen finden hier statt. Doch mit der Globalisierung internationalisiert sich auch das Messewesen: Mit dem Konzept der Internationalen Tourismusbörse oder der Funkausstellung könnte die Messe Berlin womöglich auch in Asien reüssieren, wenn die Aussteller sich auch dort präsentieren wollen. Das kostet aber ebenso Geld wie die Etablierung neuer Veranstaltungen. Und dieses Geld hat die Messe Berlin nicht - und das Land Berlin schon gar nicht. Deshalb ist die Idee eines Verkaufs des Veranstaltungsgeschäfts an einen Investor, der auch noch Geld für Wachstum in die Hand nimmt, so verlockend. Allein - was passiert mit dem Gelände, mit den Gebäuden? Das will der Senat aus guten Gründen in Landesbesitz halten und dann an den neuen Messeveranstalter verpachten. Aber reicht die Pacht, um Wartung und Instandhaltung der Hallen, des Funkturms und des ICC zu finanzieren? Und ist gewährleistet, dass die Berliner Messen tatsächlich in Berlin bleiben? Der Senat braucht Antworten auf diese Fragen und hat dazu ein teures Gutachten angefordert. Wenn das in sechs Wochen vorliegt, muss die Entscheidung her. Hoffentlich hält sich bis dahin der Wirtschaftssenator.

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