Wirtschaft : Zu wenig gute Schulabgänger für Metallfirmen

Arbeitgeberverband versorgt Schulen mit Unterrichtsmaterial/Bildungsforum von Gesamtmetall in Berlin

Alfons Frese

Berlin - Der wichtigste deutsche Arbeitgeberverband will sich stärker in die bildungspolitische Debatte einbringen. „Wir haben die Berechtigung dazu“, sagte Hans Werner Busch, Hauptgeschäftsführer von Gesamtmetall, anlässlich einer Bildungstagung seines Verbandes in Berlin. Auf der Veranstaltung werde die Metall- und Elektroindustrie (M+E) ihre Aktivitäten darstellen, „von der Berufsfindung, über die Ausbildung bis zur Personalentwicklung“. Die Metall- und Elektroindustrie bilde „mit 3,5 Millionen Beschäftigten den Kern der deutschen Industrie“ und habe derzeit 187000 junge Leute in der Ausbildung. Im vergangen Jahr hätten die Metallfirmen mit 67000 Azubis rund zwei Prozent mehr eingestellt als im Jahr zuvor, sagte Busch dem Tagesspiegel. „Die M+E-Unternehmen stellen für die Ausbildung jährlich ein Budget von rund 3,3 Milliarden Euro zur Verfügung.“

Während des zweitägigen Bildungsforums unter dem Titel „Den M+E Standort Deutschland durch Qualifizierung sichern“ will sich der Verband auf vier Felder konzentrieren: Ausbildungsfähigkeit, Gestaltung der Ausbildung, Sicherung des akademischen Nachwuchses sowie betriebliche Qualifizierung und Personalentwicklung. Busch zufolge sind 20 bis 25 Prozent der Schulabgänger nicht ausbildungsfähig. Der Verband habe ein „vitales Eigeninteresse daran, dass sich die Schulen wesentlich verbessern, damit wir auch in den nächsten zehn Jahren wieder die Schulabgänger einstellen können, die wir benötigen“. Gesamtmetall unterstütze die Schulen mit Unterrichtsmaterialen, die vor allem mathematisch-naturwissenschaftliche Kenntnisse vermitteln. „Die Schulen laufen uns die Türen ein“, beschrieb Busch die Nachfrage nach den Materialien.

Für Busch liegt indes „der Schlüssel zur Verbesserung unseres Bildungswesens in der Zeit vor der Schule“. So habe der norddeutsche Metallverband ein Pilotprojekt in Kindergärten gestartet. Es hat das Ziel, den Kindern an einfachen praktischen Beispielen physikalische Gesetzmäßigkeiten zu erläutern. Bereits seit längerem aktiv sind die 16 Metall-Regionalverbände mit Programmen für Gymnasien. Dabei geht es vor allem darum, die Schüler von einer Techniker- oder Ingenieurausbildung zu überzeugen. In insgesamt 100 Oberschulen seien Verbandsvertreter unterwegs, „um Talente für technisch-naturwissenschaftliche Studiengänge zu entdecken und zu animieren“. Der Anteil der Beschäftigten mit Hochschulabschluss nimmt in der Metallindustrie ständig zu und liegt inzwischen bei zehn Prozent. Gleichzeitig beschäftigt die Branche weniger Ungelernte; seit Mitte der 90er Jahre sank deren Anteil von 21 auf unter 18 Prozent.

Für die „schwächeren“ Schulabgänger möchte Busch mehr Ausbildungen mit zweijähriger Lehrzeit anbieten. Allerdings gestalteten sich die Gespräche darüber mit der IG Metall „schwierig“, weil die Gewerkschaft Druck auf die Löhne befürchte. Unabhängig von „leichteren“ Ausbildungsgängen intensivierten die Firmen ihr Anstrengungen zur „Nachqualifizierung“ von Jugendlichen. „Wenn man nicht genügend gute Schulabgänger bekommt, muss man auf die weniger guten zurückgreifen.“ Zum Thema Weiterbildung und lebenslanges Lernen sagte der Verbandsgeschäftsführer, „die Firmen werden sich sputen“. Ein Problem sei allerdings die kurze Arbeitszeit in der Branche; im Westen gilt die 35-Stunden-Woche. „In dieser kurzen Zeit müssen die Firmen und ihre Mitarbeiter produktiv arbeiten“, es bleibe zu wenig Zeit für Weiterbildungen.

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