Wirtschaft : Zum Glück kein Kaminbrand

Gebietsmonopol der Schornsteinfeger fällt 2013 / Energieberatung im Angebot

von
Viel frische Luft gibt es für Schornsteinfeger, die keine Angst vor Höhen haben sollten. Neben Fegen und Messen beraten sie ihre Kunden auch in Energiefragen. Foto: promo
Viel frische Luft gibt es für Schornsteinfeger, die keine Angst vor Höhen haben sollten. Neben Fegen und Messen beraten sie ihre...

Berlin - Das Profil eines Schornsteinfegers ist dem einer Kneipenwirtin ähnlich. „Man sollte kontaktfreudig sein und gerne mit Leuten quatschen“, sagt Andreas Fröhlich. Der 23-Jährige hat vor knapp einem Jahr seinen Meister gemacht, freut sich über die Selbstständigkeit im Beruf und das ordentliche Einkommen. Ein Meister kommt auf knapp 3000 Euro brutto im Monat. Fürs Fegen, Messen und Prüfen. „Handwerklich ist das nicht so das Ding“, sagt Fröhlich, und die Arbeit sei eher eintönig. Interessant werde der Job durch den Kontakt mit Menschen. Fröhlich ist auf dem flachen Land unterwegs und fegt am Tag etwa 30 Häuser.

Heiko Kirmis kommt in Charlottenburg auf 700 Häuser. Der oberste Berliner Schornsteinfeger hat seinen Bezirk seit 1999 – und dachte damals, er habe ihn von der zuständigen Senatsverwaltung auf Lebenszeit zugeteilt bekommen. Ein Irrtum. Denn die besondere Stellung der Kehrbezirke, die auf preußische Verordnungen Anfang des 20. Jahrhunderts zurückgeht, wird aufgelöst.

„2013 fällt die Gebührenordnung, und es gibt freien Wettbewerb“, sagt Kirmis. Dann müssen die Hauseigentümer nicht mehr nehmen, was da ist – also den Gebietsmonopolisten, sondern sie können sich einen Schornsteinfeger aussuchen. „Es wird dann auch einen Wettbewerb über den Preis geben“, erwartet Kirmis, der die aktuellen Gebühren jedoch „moderat“ findet: Für Fegen und Messen seien in Berlin zwischen 120 und 150 Euro im Jahr fällig.

„Zum Glück gibt es den Schornsteinfeger.“ Mit diesem Slogan werben die Kaminkehrer für sich und erinnern damit an die Geschichte: Ganze Städte brannten ab, wenn der Kamin Feuer fing, das Haus ansteckte, den Häuserblock, das Viertel. Nach Schornsteinen aus Lehm oder Holz (10. Jahrhundert) bauten Italiener im 14. Jahrhundert erstmals Kamine aus Stein. Das änderte indes nichts an der Gefahr: Wenn sich im Schornstein zu viel Ruß festsetzt, beziehungsweise Teer absetzt, kann es zum Kaminbrand kommen. Ursache des Brandes ist wiederum schlechte Verbrennung, wie Fröhlich erläutert. „Dann stimmt etwas nicht mit dem Mischungsverhältnis, es gab zu wenig Sauerstoff oder zu viel Brennstoff.“ So wie kürzlich in Berlin, als ein Schornstein brannte. „Es gibt mehrere dieser Rußbrände im Monat“, sagt Kirmis. Auch deshalb, weil etwa eine Feuerstätte mit festen Brennstoffen wie Holz oder Kohle innerhalb weniger Tage verrußen könne. Neben dem Mischungsverhältnis sei dabei auch die Feuchtigkeit des Brennstoffs relevant.

Alles in allem ist die Tätigkeit des Schornsteinfegers überschaubar. Der Kamin wird mindestens einmal im Jahr gefegt, indem der Besen, beschwert von einer Kugel, heruntersaust und wieder hochgezogen wird und dabei ein Stielbesen zum Einsatz kommt. Mit dem Schultereisen wird der Ruß von den Wänden gekratzt. Dann ist auch noch die Heizungsanlage zu überprüfen, vor allem der Ausstoß des giftigen Kohlenmonoxids, aber eben auch der Verbrennungsprozess: Stimmt das Mischungsverhältnis, oder muss nachgeregelt werden? Schließlich dürfen neue Feuerstätten und Abgasanlagen hierzulande nur in Betrieb gehen, nachdem ein Schornsteinfeger die Einrichtung „abgenommen“ hat. Und alle drei bis vier Jahre ist dann auch noch die „Feuerstättenschau“ fällig: In jedem Raum eines Hauses wird dann der Kamin überprüft.

„Man ist viel unterwegs und viel an der frischen Luft“, beschreibt Fröhlich seinen Arbeitstag. Obwohl die Öfen immer moderner geworden sind, ist der Job dreckig geblieben. „Manchmal bin ich pechschwarz“, sagt Fröhlich. Etwa wenn viel Holz verbrannt wurde.

Neben dem Brandschutz prägt der Umweltschutz immer stärker die Berufswelt der Männer in Schwarz. Sie beraten bei Fragen von Energieeffizienz und Sparpotenzial. Der 23-jährige Fröhlich hat bereits eine Zusatzausbildung zum Energieberater gemacht, versteht nun auch etwas von Bauphysik und kann – gegen Gebühr – einen Energieausweis ausstellen. Das Haus der Großeltern hat er analysiert und als Ergebnis von diversen Maßnahmen ein Sparpotenzial von 5000 Kilowattstunden im Jahr ausgemacht. Über die Zukunft macht sich Fröhlich keine Sorgen. Alfons Frese

0 Kommentare

Neuester Kommentar