Wirtschaft : Zum Schaden der Telekom

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Von Dieter Fockenbrock

Ein unwürdiges Schauspiel neigt sich dem Ende entgegen. Die Deutsche Telekom bekommt in wenigen Tagen einen neuen Vorstandschef. Alles deutet darauf hin, dass KaiUwe Ricke, bislang verantwortlich für das Mobilfunkgeschäft, die Nachfolge Ron Sommers antritt. Wohl selten zuvor war die Suche nach einem Top-Manager in Deutschland eine derart öffentliche Veranstaltung. Fast alles, was Rang und Namen in der Wirtschaft hat, war im Gespräch. Darunter auch viele vermeintliche Kandidaten, die überhaupt keine Chance hatten – oder gar nicht erst gefragt worden waren. Ihre Namen hier zu wiederholen wäre nur peinlich. Die Spekulationen um den künftigen Mann an der Telekomspitze haben dem Unternehmen – und nicht nur ihm – schwer geschadet.

Der Bund als Großaktionär und Telekom-Chefaufseher Hans-Dietrich Winkhaus haben sich nicht mit Ruhm bekleckert. Ron Sommer haben sie in die Wüste gejagt, bevor sie überhaupt wussten, was und wen sie wollten. Das ist mehr als fahrlässig, das ist dilettantisch. Vier quälende Monate der Suche nach einem Chef für den größten europäischen Telekomkonzern sind zu lang, vor allem in dieser schwierigen wirtschaftlichen Situation. Interimschef Helmut Sihler (72) macht zweifellos einen guten Job, aber er ist eben nur der Mann des Übergangs.

Ricke tritt ein schweres Erbe an. Erst war er nicht gut genug für Sommers Sessel, jetzt soll er den hochverschuldeten Konzern allein aus der Krise führen. Denn die Tage des erfolglosen Aufsichtsratsvorsitzenden sind offenbar auch gezählt. Jetzt muss die Telekom wieder professionell geführt werden.

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